Kurz beantwortet
In SSW 15 misst das Kind etwa elf Zentimeter und wiegt rund 70 Gramm. Es bewegt sich viel, ist aber noch zu klein, als dass die Bewegungen spürbar wären. Die Vorsorgetermine liegen bis SSW 32 im Abstand von etwa vier Wochen.
In SSW 15 passiert viel, was du noch nicht merkst: Das Kind bewegt sich, reagiert auf Licht und übt Abläufe, die es später braucht. Tag 85 bis 91 der ersten 1000 Tage.
Was in SSW 15 passiert
Das Kind misst etwa elf Zentimeter von Scheitel bis Steiß und wiegt rund 70 Gramm – es hat sein Gewicht seit SSW 13 fast verdreifacht.
Die Haut ist noch so dünn, dass die Blutgefäße durchscheinen. Sie ist bereits lichtempfindlich: Fällt helles Licht auf den Bauch, reagieren manche Kinder mit Bewegung.
Auch die Beine wachsen jetzt schneller als die Arme, und die Gelenke sind vollständig beweglich. Das Kind streckt sich, dreht sich und macht Saugbewegungen – alles ungesteuert, aber es übt Abläufe, die nach der Geburt gebraucht werden.
| Bereich | Stand |
|---|---|
| Größe | etwa 11 cm Scheitel-Steiß-Länge |
| Gewicht | rund 70 Gramm |
| Haut | dünn, lichtempfindlich |
| Bewegung | viel, aber noch nicht spürbar |
| Tage der 1000 | Tag 85 bis 91 |
Warum du davon nichts merkst
Im Ultraschall ist die Bewegung deutlich zu sehen, spürbar wird sie trotzdem erst später. Das Kind ist noch klein, und zwischen ihm und der Bauchwand liegt reichlich Fruchtwasser, das die Stöße abfängt.
Bei einer ersten Schwangerschaft kommen die ersten Bewegungen meist zwischen SSW 18 und 22 an, bei späteren früher – nicht weil das Kind aktiver wäre, sondern weil das Gefühl bekannt ist.
Sitzt die Plazenta vorne, dämpft sie die Wahrnehmung zusätzlich. Wer deutlich später etwas spürt, hat deshalb oft schlicht eine ungünstigere Lage – für das Kind ist das ohne Bedeutung.
Vergleiche sind in dieser Phase besonders unergiebig. Ob der Bauch schon zu sehen ist, wie viel jemand zugenommen hat, wer wann Bewegungen spürt – all das schwankt erheblich und sagt nichts über den Verlauf. Körperbau, Lage der Gebärmutter und Position der Plazenta entscheiden mit. Wer sich daran misst, kommt zuverlässig zu falschen Schlüssen.
Wie es dir geht
Bei den meisten sind Übelkeit und Erschöpfung vorbei, und die Energie ist zurück. Dafür treten andere Begleiter auf.
Typisch ist ein Ziehen an den Seiten des Unterbauchs – das sind die Mutterbänder, die mitwachsen. Es ist harmlos, kann aber unangenehm sein, besonders beim Aufstehen oder bei schnellen Bewegungen. Wärme und langsame Bewegungen helfen.
Dazu kommen eine verstopfte Nase durch stärker durchblutete Schleimhäute, empfindliches Zahnfleisch, gelegentlich Nasenbluten und eine träge Verdauung.
Was bei der Vorsorge ansteht
Die Termine liegen bis SSW 32 im Abstand von etwa vier Wochen. Geprüft werden Blutdruck, Gewicht, Urin auf Eiweiß und Zucker, der Stand der Gebärmutter und die kindlichen Herztöne.
Das wirkt unspektakulär und ist der Kern der Vorsorge: Ein Anstieg des Blutdrucks zusammen mit Eiweiß im Urin ist das früheste Zeichen einer Präeklampsie, die früh erkannt gut behandelbar ist.
Der zweite Ultraschall folgt zwischen SSW 19 und 22. Dort kann zwischen einer Basis-Untersuchung und einer erweiterten gewählt werden – diese Wahl sollte bewusst getroffen werden.
Was jetzt gut tut
Bewegung ist bei unauffälligem Verlauf gut möglich und wirkt gegen fast alle typischen Beschwerden. Was vorher regelmäßig gemacht wurde, kann in angepasster Intensität weitergehen.
Schwimmen entlastet den Rücken besonders, weil das Gewicht getragen wird. Zu vermeiden sind Sportarten mit Sturzrisiko, starken Erschütterungen oder Druckwechseln.
Beckenbodentraining zahlt sich später aus: Wer die Ansteuerung kennt, tut sich mit der Rückbildung nach der Geburt leichter.
Was Partner in dieser Phase erleben
Von außen ist noch nichts zu spüren – Bewegungen werden meist ab etwa SSW 20 bis 22 auch für andere wahrnehmbar. Bis dahin bleibt die Schwangerschaft für Partner eine Erzählung.
Was möglich ist: beim Ultraschall dabei sein. Der zweite Termin zwischen SSW 19 und 22 zeigt deutlich mehr als der erste, und für viele ist das der Moment, in dem es konkret wird.
Ebenfalls sinnvoll ist es, früh mit dem Sprechen anzufangen. Das Gehör entwickelt sich gerade, und vertraute Stimmen beruhigen nach der Geburt – vorausgesetzt, sie waren vorher zu hören.
Was bei der Ernährung zählt
Der Energiebedarf steigt im zweiten Drittel nur um etwa 250 Kilokalorien am Tag. Deutlich stärker steigt der Bedarf an Eisen, Jod, Folat und Kalzium.
Eisen steckt in Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Vitamin C verbessert die Aufnahme, Kaffee und schwarzer Tee hemmen sie – ein Glas Orangensaft zum Essen wirkt mehr als jede Ergänzung.
Tabu bleiben rohe tierische Lebensmittel wegen Listerien und Toxoplasmen. Salat und Gemüse sind unproblematisch, wenn sie gründlich gewaschen werden.
Was am Arbeitsplatz gilt
Viele informieren ihren Arbeitgeber gegen Ende des ersten Drittels. Die Mitteilung ist freiwillig und an keine Frist gebunden – erst danach greifen jedoch die Schutzvorschriften, die Gefährdungsbeurteilung und der Kündigungsschutz.
Nicht zulässig sind unter anderem Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr, Akkord- und Fließbandarbeit, schweres Heben und der Umgang mit bestimmten Gefahrstoffen. Für Vorsorgetermine besteht Anspruch auf Freistellung ohne Lohnabzug.
Aus der Gefährdungsbeurteilung kann ein betriebliches Beschäftigungsverbot folgen. Das ist keine Krankschreibung: Der Lohn läuft weiter, und es wirkt sich nicht auf die Berechnung des Elterngelds aus.
Was jetzt zu planen ist
Diese Wochen sind der beste Zeitpunkt für organisatorische Dinge, weil Kraft und Beweglichkeit da sind. Ganz oben steht die Hebammensuche für die Wochenbettbetreuung – in vielen Regionen sind die Plätze Monate im Voraus vergeben.
Ebenfalls sinnvoll: den Geburtsvorbereitungskurs vormerken, Klinik oder Geburtshaus anschauen und – bei nicht verheirateten Eltern – Vaterschaftsanerkennung und Sorgeerklärung beim Jugendamt erledigen.
Welche Fristen sich aus deinem Termin ergeben, rechnet der Fristenrechner aus. Was nach der Geburt ansteht, steht unter Papierkram nach der Geburt.
Was in dieser Phase häufig beschäftigt
Die Kleidung. Sie wird meist zuerst am Bund eng. Umstandsmode braucht es dafür nicht zwingend – Hosen mit elastischem Bund oder eine Bauchband-Verlängerung reichen bei vielen bis ins letzte Drittel.
Die Namenssuche. Sie beginnt bei vielen jetzt und dauert länger als gedacht. Wer die Auswahl im Umfeld erzählt, bekommt Meinungen, die niemand bestellt hat.
Die Frage nach Reisen. Das zweite Drittel gilt als günstigste Zeit. Bei Flügen lohnt der Blick in die Beförderungsbestimmungen, und die Auslandskrankenversicherung gehört geprüft – manche Policen schließen Schwangerschaft aus.
Wann du nicht abwarten solltest
In die Praxis gehören Blutungen, starke oder einseitige Unterbauchschmerzen, Fieber über 38 Grad, Flüssigkeitsabgang und Schmerzen beim Wasserlassen.
Zusammengefasst: In SSW 15 bewegt sich das Kind viel, spürbar wird davon aber noch nichts – dafür ist es zu klein und zu weit von der Bauchwand entfernt. Was jetzt zählt, ist die Vorsorge im Vier-Wochen-Takt und die Organisation, die in dieser Phase am leichtesten fällt. Und Vergleiche mit anderen Schwangeren führen gerade jetzt besonders zuverlässig in die Irre.
Wie es weitergeht, steht in SSW 16 und SSW 20. Welche Untersuchungen insgesamt vorgesehen sind, steht unter Schwangerschaftsvorsorge.
Häufige Fragen
Wie groß ist das Kind in SSW 15?
Etwa elf Zentimeter von Scheitel bis Steiß und rund 70 Gramm schwer. Es hat sein Gewicht seit SSW 13 fast verdreifacht.
Warum spüre ich noch nichts?
Weil das Kind noch klein ist und zwischen ihm und der Bauchwand reichlich Fruchtwasser liegt. Bei einer ersten Schwangerschaft kommen die ersten Bewegungen meist zwischen SSW 18 und 22 an.
Was steht bei der Vorsorge an?
Blutdruck, Gewicht, Urin, Stand der Gebärmutter und die kindlichen Herztöne, im Abstand von etwa vier Wochen. Der zweite Ultraschall folgt zwischen SSW 19 und 22.
Darf ich Sport machen?
Bei unauffälligem Verlauf ja. Was vorher regelmäßig gemacht wurde, kann in angepasster Intensität weitergehen – zu vermeiden sind Sportarten mit Sturzrisiko oder starken Erschütterungen.
Was hilft gegen das Ziehen im Unterbauch?
Es kommt meist von den Mutterbändern, die mitwachsen. Wärme, langsame Bewegungen und Positionswechsel helfen. Starke oder einseitige Schmerzen gehören dagegen abgeklärt.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen zu Ernährung und Lebensstil in der Schwangerschaft
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
- Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen
Zuletzt geprüft am 23.08.2026
Maik Möhring
Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.