1000 Tage
Tag 218 – 224 · SSW 34

SSW 34: Der Mutterschutz beginnt

Geprüft am 23.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
SSW 34 – Tageszeit:* Später Nachmittag. (Time of day checked) * *Lichtstimmung:* Warmes, goldenes Gegenlicht
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Kurz beantwortet

Mit SSW 34 beginnt bei den meisten der Mutterschutz, sechs Wochen vor dem errechneten Termin. Das Kind wiegt etwa 2200 Gramm und misst rund 45 Zentimeter. Die Lunge ist weit gereift, und die Vorsorgetermine liegen alle zwei Wochen.

Mit SSW 34 fällt eine Grenze, die für den Alltag mehr verändert als die meisten medizinischen: Der Mutterschutz beginnt, und damit endet für die meisten die Arbeit. Tag 232 bis 238 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 34 passiert

Das Kind misst etwa 45 Zentimeter von Kopf bis Fuß und wiegt rund 2200 Gramm. Das Fettgewebe nimmt weiter zu, wodurch die Haut glatter wird und die Falten verschwinden.

Die Lunge ist weit gereift und produziert ausreichend Surfactant. Auch das Immunsystem baut sich auf: Über die Plazenta gelangen weiterhin Antikörper der Mutter zum Kind.

Bei Jungen wandern in dieser Phase meist die Hoden in den Hodensack – ein Vorgang, der bei Frühgeborenen häufig noch nicht abgeschlossen ist und dann nachgeholt wird.

Anhaltspunkte in SSW 34
Bereich Stand
Größe etwa 45 cm von Kopf bis Fuß
Gewicht rund 2200 Gramm
Lunge weit gereift
Immunsystem Antikörper werden weiter übernommen
Tage der 1000 Tag 232 bis 238

Was der Mutterschutz bedeutet

Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin. Ab dann darfst du nicht mehr beschäftigt werden – es sei denn, du erklärst dich ausdrücklich dazu bereit.

Diese Erklärung ist freiwillig und jederzeit widerrufbar, ohne Begründung und ohne Frist. Nach der Geburt gilt dagegen ein absolutes Beschäftigungsverbot von acht Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten zwölf.

Ein wichtiger Punkt für die Rechnung: Kommt das Kind früher als errechnet, werden die vorher nicht genutzten Tage an die Frist danach angehängt. Die Gesamtdauer bleibt also erhalten.

Für das Mutterschaftsgeld brauchst du eine Bescheinigung über den errechneten Termin. Sie darf frühestens sieben Wochen vor dem Termin ausgestellt werden und geht an die Krankenkasse. Der Arbeitgeber zahlt daraufhin seinen Zuschuss, der die Differenz zum bisherigen Nettoverdienst ausgleicht. Wer die Bescheinigung vergisst, bekommt kein Geld – es ist der einzige Schritt, den du selbst anstoßen musst.

Wie es dir geht

Der Bauch ist deutlich schwerer, die Beweglichkeit eingeschränkt. Sodbrennen und Kurzatmigkeit sind häufig, weil die Gebärmutter auf Magen und Zwerchfell drückt.

Dazu kommen Rückenschmerzen, Wadenkrämpfe, Wassereinlagerungen und ein unruhiger Schlaf. Viele wachen mehrfach pro Nacht auf, teils wegen der Blase, teils weil keine Position mehr bequem ist.

Übungswehen werden deutlicher, und Senkwehen können einsetzen. Sie schieben das Kind tiefer ins Becken, sind kein Geburtsbeginn und lassen bei Ruhe nach.

Was mit der Kindslage ist

Viele Kinder liegen inzwischen mit dem Kopf nach unten. Bis SSW 36 ist eine Drehung noch gut möglich, weil genug Platz vorhanden ist.

Liegt ein Kind danach noch mit dem Kopf nach oben, wird über eine äußere Wendung um SSW 37 gesprochen – ein Versuch, es von außen zu drehen, der in der Klinik unter Überwachung stattfindet.

Die Lage wird bei jedem Termin geprüft und im Mutterpass vermerkt. Ein Wechsel ist bis zuletzt möglich, wenn auch mit abnehmender Wahrscheinlichkeit.

Was sich beim Geld ändert

Während der Schutzfrist ersetzt eine Kombination aus zwei Zahlungen das Einkommen. Gesetzlich Versicherte erhalten Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse, begrenzt auf einen Höchstbetrag pro Kalendertag.

Die Differenz zum bisherigen Nettoverdienst zahlt der Arbeitgeber als Zuschuss. Unterm Strich bleibt das Einkommen damit weitgehend erhalten – das unterscheidet den Mutterschutz vom Elterngeld, das nur einen Teil ersetzt.

Wichtig für die spätere Planung: Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss werden auf die ersten Elterngeldmonate angerechnet. Für die Mutter sind die ersten beiden Lebensmonate damit faktisch verplant – ein Punkt, der bei der Aufteilung zwischen beiden Elternteilen zählt.

Was bei den Terminen geprüft wird

Die Vorsorge läuft im Zwei-Wochen-Takt. Geprüft werden Blutdruck, Gewicht, Urin auf Eiweiß und Zucker, der Stand der Gebärmutter und die kindlichen Herztöne.

Bei Bedarf kommen CTG-Kontrollen dazu. Zwischen SSW 35 und 37 wird zusätzlich ein Abstrich auf B-Streptokokken angeboten – bei positivem Befund gibt es unter der Geburt ein Antibiotikum.

Was jetzt besonders beobachtet wird, ist der Blutdruck. Ein Anstieg zusammen mit Eiweiß im Urin ist das wichtigste Frühzeichen einer Präeklampsie, die früh erkannt gut behandelbar ist.

Was sich am Arbeitsplatz jetzt regelt

Vor Beginn der Schutzfrist stehen ein paar Dinge an, die sich schlecht nachholen lassen: die Übergabe, der Zugang zu Unterlagen und die Frage, wie der Kontakt während der Abwesenheit aussehen soll.

Letzteres wird oft übersehen. Manche möchten gar nichts hören, andere gelegentliche Nachrichten – beides ist in Ordnung, und es hilft, es vorher zu sagen statt es entstehen zu lassen.

Ebenfalls jetzt zu klären: der Resturlaub. Er verfällt nicht, kann aber vom Arbeitgeber für Monate der Elternzeit gekürzt werden – das muss er ausdrücklich erklären. Wer noch Tage offen hat, kann sie teils vor oder nach der Schutzfrist einsetzen.

Was die freie Zeit bringt

Mit dem Mutterschutz entsteht Zeit, die viele unterschätzen. Was sich lohnt: Erledigungen abschließen, die später beschwerlich werden, und danach tatsächlich ausruhen.

Konkret gehören dazu die Kliniktasche, die Anmeldung im Geburtsort, die Suche nach einer kinderärztlichen Praxis und das vorbereitete Schreiben für die Elternzeit.

Was ebenso zählt: Schlaf nachholen. Die Geburt ist eine körperliche Anstrengung, und die Wochen danach sind es auch. Reserven aufzubauen ist an dieser Stelle keine Faulheit, sondern Vorbereitung.

Was bei Beschwerden jetzt hilft

Sodbrennen. Kleine Mahlzeiten über den Tag statt weniger großer, nicht direkt vor dem Schlafen essen, Oberkörper erhöht lagern. Wenn das nicht reicht, gibt es Mittel, die in der Schwangerschaft geeignet sind.

Rückenschmerzen. Bewegung, Schwimmen, bewusstes Aufrichten und häufiger Positionswechsel. Ein Stützgürtel entlastet manche, ist aber keine Dauerlösung.

Wassereinlagerungen. Beine hochlegen, viel trinken, Bewegung. Unbedenklich, solange sie sich über Nacht bessern – plötzliche starke Schwellungen im Gesicht gehören dagegen sofort abgeklärt.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Klinik gehören regelmäßige Kontraktionen vor SSW 37, Blutungen, Flüssigkeitsabgang, deutlich verminderte Kindsbewegungen sowie starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.

Bei den Bewegungen gilt: Die Abweichung vom gewohnten Muster ist das Zeichen, nicht eine bestimmte Zahl. Weniger oder anders als sonst gehört am selben Tag abgeklärt.

Zusammengefasst: Mit SSW 34 beginnt bei den meisten der Mutterschutz – die Bescheinigung dafür ist der eine Schritt, den du selbst anstoßen musst. Das Kind ist weit gereift, und die Kindslage bleibt bis SSW 36 offen. Was die freie Zeit betrifft: Erledigungen abschließen, danach ausruhen. Reserven sind für die kommenden Wochen nützlicher als eine lange Liste.

Wie es weitergeht, steht in SSW 36 und SSW 40. Was der Mutterschutz sonst regelt, steht unter Mutterschutz.

Häufige Fragen

Wann genau beginnt der Mutterschutz?

Sechs Wochen vor dem errechneten Termin, also mit Beginn von SSW 35 nach üblicher Zählung. Wer noch arbeiten möchte, kann sich ausdrücklich bereit erklären und die Erklärung jederzeit widerrufen.

Wie groß ist das Kind in SSW 34?

Etwa 45 Zentimeter von Kopf bis Fuß und rund 2200 Gramm schwer. Bis zum Termin kommt meist noch knapp ein Kilogramm dazu.

Was passiert mit dem Gehalt?

Gesetzlich Versicherte erhalten Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse, dazu einen Zuschuss des Arbeitgebers, der die Differenz zum bisherigen Nettoverdienst ausgleicht. Unterm Strich bleibt das Einkommen weitgehend erhalten.

Wie ist das Kind jetzt gelegen?

Viele Kinder liegen inzwischen mit dem Kopf nach unten. Bis SSW 36 ist eine Drehung noch gut möglich – danach wird bei einer Beckenendlage über eine äußere Wendung gesprochen.

Was steht bei den Terminen an?

Blutdruck, Gewicht, Urin, Stand der Gebärmutter und Herztöne, alle zwei Wochen. Zwischen SSW 35 und 37 wird zusätzlich ein Abstrich auf B-Streptokokken angeboten.

Quellen

  1. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz: § 16 BEEG – Inanspruchnahme der Elternzeit

Zuletzt geprüft am 23.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.