1000 Tage
Tag 225 – 231 · SSW 35

SSW 35: Die letzten Wochen beginnen

Geprüft am 23.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
SSW 35 – )?* Yes. 5. **Final Polish (German):** An einem späten Nachmittag sitzt eine
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

In SSW 35 wiegt das Kind etwa 2500 Gramm und misst rund 46 Zentimeter. Die Lunge ist weitgehend gereift. Zwischen SSW 35 und 37 wird ein Abstrich auf B-Streptokokken angeboten, und der Mutterschutz hat bei den meisten bereits begonnen.

Mit SSW 35 beginnen die letzten Wochen. Die Lunge ist weitgehend gereift, der Mutterschutz hat bei den meisten begonnen – und die Vorbereitung wird von einer Aufgabe zu einem konkreten Termin. Tag 239 bis 245 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 35 passiert

Das Kind misst etwa 46 Zentimeter von Kopf bis Fuß und wiegt rund 2500 Gramm. Der Platz ist eng geworden, weshalb die Bewegungen sich nicht mehr wie Tritte anfühlen, sondern wie Schieben und Drücken.

Die Lunge ist weitgehend gereift und produziert ausreichend Surfactant. Auch die Nieren arbeiten vollständig, und die Leber beginnt, eigene Aufgaben zu übernehmen.

Der Flaum auf der Haut bildet sich zurück, und die Käseschmiere wird dicker. Beides ist Vorbereitung auf die Zeit außerhalb des Fruchtwassers.

Anhaltspunkte in SSW 35
Bereich Stand
Größe etwa 46 cm von Kopf bis Fuß
Gewicht rund 2500 Gramm
Lunge weitgehend gereift
Haut Flaum bildet sich zurück
Tage der 1000 Tag 239 bis 245

Der Abstrich auf B-Streptokokken

Zwischen SSW 35 und 37 bieten viele Praxen einen Abstrich an. Geprüft wird, ob bestimmte Bakterien im Genitalbereich vorhanden sind – bei einem erheblichen Teil aller Frauen ist das der Fall, ohne dass Beschwerden auftreten.

Für Erwachsene sind sie harmlos. Unter der Geburt können sie allerdings auf das Kind übergehen und in seltenen Fällen eine schwere Infektion auslösen.

Bei positivem Befund bekommst du während der Geburt ein Antibiotikum über die Vene, was das Risiko deutlich senkt. Der Abstrich ist eine Zusatzleistung und wird teils privat abgerechnet – die Frage nach den Kosten gehört in die Praxis.

Ab SSW 37 gilt eine Geburt als termingerecht. Bis dahin spricht man von einer Frühgeburt, auch wenn die Aussichten in diesem Bereich bereits sehr gut sind. Das ist der Grund, warum bei Wehen vor SSW 37 anders reagiert wird als danach: Davor wird versucht, die Geburt hinauszuzögern, danach lässt man sie laufen. Für dich heißt das konkret – bei regelmäßigen Wehen in diesen Wochen anrufen statt abwarten.

Wie es dir geht

Der Bauch ist an seinem größten Punkt, und die Beweglichkeit ist deutlich eingeschränkt. Sodbrennen, Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen gehören für viele zum Alltag.

Der Schlaf leidet, weil keine Position mehr bequem ist und die Blase häufiger drückt. Viele wachen mehrfach pro Nacht auf – was manche im Rückblick als Vorbereitung auf die Zeit danach beschreiben.

Senkwehen können jetzt einsetzen. Sie schieben das Kind tiefer ins Becken, wodurch das Atmen leichter wird und der Druck nach unten zunimmt. Sie sind kein Geburtsbeginn.

Woran du den Geburtsbeginn erkennst

Drei Zeichen sprechen dafür, und sie treten nicht immer gemeinsam auf.

Regelmäßige Wehen. Sie kommen in kürzer werdenden Abständen, werden stärker und lassen durch Ruhe oder ein warmes Bad nicht nach. Als Faustregel gilt ein Abstand von etwa fünf Minuten über eine Stunde.

Fruchtwasserabgang. Ob als Schwall oder als anhaltendes Rinnen – hier gehört der Weg in die Klinik, unabhängig davon, ob Wehen da sind.

Zeichnungsblutung. Blutiger Schleim, der sich löst. Er kann Tage vor der Geburt auftreten und ist allein kein Grund zur Eile.

Was bei der Geburt zu klären ist

Zwei Fragen lohnen ein Gespräch mit der Begleitperson, solange Ruhe dafür ist.

Was soll passieren, wenn es anders läuft als gedacht? Eine Geburt lässt sich nicht planen, und Entscheidungen fallen manchmal schnell. Wer vorher besprochen hat, was ihm wichtig ist, muss es im Moment nicht erklären.

Wer entscheidet, wenn du dazu nicht in der Lage bist? Das betrifft weniger dramatische Fälle als praktische: Ob die Begleitperson beim Kind bleibt oder bei dir, wer informiert wird, wie mit Wünschen umgegangen wird.

Was jetzt bereitstehen sollte

Die Kliniktasche gehört ab jetzt griffbereit. Für die Geburt braucht es wenig: bequeme Kleidung, dicke Socken, Haargummi, Getränk und etwas zu essen für die Begleitperson.

Wichtiger als der Inhalt sind die Unterlagen: Mutterpass, Versichertenkarte, Ausweise und, falls vorhanden, Eheurkunde oder Vaterschaftsanerkennung. Ohne den Mutterpass beginnt jede Aufnahme mit Rückfragen.

Ebenfalls sinnvoll: den Weg zur Klinik einmal durchgehen, klären wo man nachts hineinkommt, und die Nummer der Kreißsaal-Anmeldung im Telefon speichern.

Wann es zur Klinik geht

Bei Erstgebärenden gilt als Anhaltspunkt: wenn die Wehen über eine Stunde etwa alle fünf Minuten kommen und jeweils rund eine Minute dauern. Bei weiteren Geburten früher, weil es meist schneller geht.

Unabhängig davon gehört der Weg in die Klinik bei Fruchtwasserabgang, bei Blutungen und wenn die Kindsbewegungen deutlich nachlassen.

Wer unsicher ist, ruft an. Kreißsäle sind rund um die Uhr besetzt, und die Frage, ob es losgeht, ist dort eine der häufigsten überhaupt – niemand muss sich dafür entschuldigen.

Was rechtlich läuft

Der Mutterschutz hat bei den meisten begonnen. Die Bescheinigung über den errechneten Termin geht an die Krankenkasse, damit Mutterschaftsgeld gezahlt wird – der Arbeitgeber zahlt den Zuschuss.

Das Schreiben für die Elternzeit sollte vorbereitet sein. Die Frist beträgt sieben Wochen vor Beginn, was bei direktem Anschluss an den Mutterschutz etwa eine Woche nach der Geburt bedeutet.

Und was sich noch erledigen lässt: Vaterschaftsanerkennung und Sorgeerklärung bei nicht verheirateten Eltern, kostenfrei beim Jugendamt. Welche Fristen gelten, rechnet der Fristenrechner aus.

Was für die Zeit danach vorbereitet sein sollte

Ein sicherer Schlafplatz ist das Wichtigste: feste Matratze, Schlafsack statt Decke, nichts Loses im Bett, Rückenlage. Mehr braucht es für die ersten Wochen nicht.

Dazu Kleidung in Größe 50 bis 56, Windeln und – falls nicht gestillt wird – Flaschen und Nahrung. Wer stillt, braucht anfangs meist nichts weiter als Ruhe und Unterstützung.

Wichtiger als Ausstattung ist die Frage, wer in den ersten Wochen entlastet. Wer einkauft, kocht, das ältere Kind übernimmt. Das vorher zu klären erspart, im Wochenbett darum bitten zu müssen.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Klinik gehören regelmäßige Wehen vor SSW 37, Fruchtwasserabgang, Blutungen, deutlich verminderte Kindsbewegungen sowie starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.

Bei den Bewegungen gilt weiterhin: Weniger oder anders als gewohnt gehört am selben Tag abgeklärt. Und in der Klinik ist man auf genau diese Frage eingestellt – Zurückhaltung ist an dieser Stelle nicht angebracht.

Zusammengefasst: In SSW 35 ist die Lunge weitgehend gereift, und ab SSW 37 gilt eine Geburt als termingerecht. Was jetzt ansteht, ist der Abstrich auf B-Streptokokken und die letzte Vorbereitung – Kliniktasche, Weg zur Klinik, Unterlagen. Und bei regelmäßigen Wehen vor SSW 37 gilt anrufen statt abwarten.

Wie es weitergeht, steht in SSW 36 und SSW 40. Was danach ansteht, steht unter Wochenbett.

Häufige Fragen

Wie groß ist das Kind in SSW 35?

Etwa 46 Zentimeter von Kopf bis Fuß und rund 2500 Gramm schwer. Bis zum errechneten Termin kommen meist noch einige hundert Gramm dazu.

Was ist der B-Streptokokken-Abstrich?

Ein Abstrich zwischen SSW 35 und 37, der prüft, ob bestimmte Bakterien vorhanden sind. Sie sind für Erwachsene harmlos, können aber unter der Geburt auf das Kind übergehen – bei positivem Befund gibt es ein Antibiotikum.

Ab wann gilt eine Geburt nicht mehr als früh?

Ab SSW 37 spricht man von einer Geburt am Termin. Davor gilt sie als Frühgeburt, auch wenn die Aussichten in diesem Bereich bereits sehr gut sind.

Was sind Senkwehen?

Unregelmäßige Kontraktionen, die das Kind tiefer ins Becken schieben. Danach wird das Atmen oft leichter, während der Druck nach unten zunimmt. Sie sind kein Geburtsbeginn.

Woran erkenne ich den Geburtsbeginn?

An regelmäßigen Wehen in kürzer werdenden Abständen, die durch Ruhe nicht nachlassen, an Fruchtwasserabgang oder an blutigem Schleim. Bei Fruchtwasserabgang gehört der Weg in die Klinik, unabhängig von Wehen.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  2. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen in der Schwangerschaft

Zuletzt geprüft am 23.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.