1000 Tage
Tag 106 – 112 · SSW 18

SSW 18: Kurz vor den ersten Bewegungen

Geprüft am 23.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
SSW 18 – In einem sonnendurchfluteten Wohnzimmer sitzt eine schwangere Frau am späten Nachmittag auf
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

In SSW 18 misst das Kind etwa 14 Zentimeter und wiegt rund 200 Gramm. Viele Frauen spüren jetzt die ersten Bewegungen, bei einer ersten Schwangerschaft meist zwischen SSW 18 und 22. Der zweite Ultraschall ist zwischen SSW 19 und 22 vorgesehen.

SSW 18 ist für viele die Woche, in der die Schwangerschaft von einer Erzählung zu einer Erfahrung wird: Die ersten Bewegungen kommen an. Tag 113 bis 119 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 18 passiert

Das Kind misst etwa 14 Zentimeter von Scheitel bis Steiß und wiegt rund 200 Gramm. Die Beine sind inzwischen länger als die Arme, und die Proportionen nähern sich denen eines Neugeborenen an.

Unter der Haut bildet sich braunes Fettgewebe – eine besondere Form, die später der Wärmeregulation dient. Sie ist der Grund, warum Neugeborene ihre Temperatur überhaupt halten können.

Das Hörvermögen entwickelt sich: Die Gehörknöchelchen verhärten sich, und das Kind beginnt, Geräusche wahrzunehmen. Ausgereift ist das Gehör etwa ab SSW 26.

Anhaltspunkte in SSW 18
Bereich Stand
Größe etwa 14 cm Scheitel-Steiß-Länge
Gewicht rund 200 Gramm
Fettgewebe braunes Fett bildet sich
Gehör entwickelt sich, erste Wahrnehmung
Tage der 1000 Tag 113 bis 119

Wie sich die ersten Bewegungen anfühlen

Nicht wie Tritte. Anfangs beschreiben die meisten ein Blubbern, Flattern oder ein Zucken wie bei einem Muskel – so unspezifisch, dass viele es zunächst für Verdauung halten und erst rückblickend einordnen.

Bei einer ersten Schwangerschaft kommen sie meist zwischen SSW 18 und 22 an, bei späteren früher. Nicht weil das Kind aktiver wäre, sondern weil das Gefühl bekannt ist.

Sitzt die Plazenta vorne, dämpft sie die Wahrnehmung erheblich. Wer deutlich später etwas spürt, hat deshalb oft schlicht eine ungünstigere Lage – für das Kind ist das ohne Bedeutung.

In dieser Phase sind Kindsbewegungen noch kein Maßstab. Sie sind unregelmäßig und über Stunden nicht spürbar – das ist normal und kein Warnzeichen. Erst ab etwa SSW 24 entsteht ein Muster, das sich beobachten lässt. Ab dann gilt: Eine deutliche Abweichung vom Gewohnten gehört am selben Tag abgeklärt. Vorher lohnt es sich nicht, darauf zu achten – und das Zählen führt eher zu Verunsicherung als zu Sicherheit.

Was beim zweiten Ultraschall zur Wahl steht

Zwischen SSW 19 und 22 kann zwischen zwei Varianten gewählt werden. Die Basis-Untersuchung prüft Wachstum, Fruchtwassermenge, Lage der Plazenta und einige Hinweiszeichen.

Die erweiterte Untersuchung geht darüber hinaus und sieht sich die Organe im Einzelnen an – Herz, Gehirn, Nieren, Bauchwand, Wirbelsäule. Sie wird von besonders qualifizierten Praxen durchgeführt und ist ebenfalls Kassenleistung.

Die Wahl sollte bewusst getroffen werden, weil beide unterschiedlich viel zeigen können – und weil ein Befund Entscheidungen nach sich ziehen kann, auf die niemand vorbereitet ist. Eine Beratung vorher steht dir zu.

Was Partner in dieser Phase erleben

Von außen sind die Bewegungen noch nicht zu spüren – das kommt meist ab etwa SSW 20 bis 22. Bis dahin bleibt die Schwangerschaft für Partner eine Erzählung, die man glaubt, aber nicht erlebt.

Was möglich ist: beim Ultraschall dabei sein. Der zweite Termin zeigt deutlich mehr als der erste, und für viele ist das der Moment, in dem es konkret wird.

Ebenfalls sinnvoll ist es, früh mit dem Sprechen anzufangen. Das Gehör entwickelt sich gerade, und vertraute Stimmen beruhigen nach der Geburt nachweislich – vorausgesetzt, sie waren vorher zu hören.

Wie es dir geht

Bei den meisten sind Übelkeit und Erschöpfung vorbei, und die Energie ist zurück. Die Gebärmutter reicht etwa bis zur Mitte zwischen Schambein und Nabel.

Typisch für diese Wochen sind ein Ziehen an den Seiten des Unterbauchs durch die mitwachsenden Mutterbänder, eine verstopfte Nase, empfindliches Zahnfleisch und eine träge Verdauung.

Beim Schlafen wird die Seitenlage zunehmend empfohlen. Ein Kissen zwischen den Knien macht sie bequemer – wer sich jetzt daran gewöhnt, hat es im letzten Drittel leichter.

Was jetzt gut tut

Bewegung wirkt in dieser Phase gegen fast alle typischen Beschwerden. Schwimmen entlastet den Rücken besonders, weil das Gewicht getragen wird.

Beckenbodentraining zahlt sich später aus: Wer die Ansteuerung kennt, tut sich mit der Rückbildung nach der Geburt leichter. Übungen zeigt die Hebamme.

Beim Essen steigt der Bedarf an Eisen, Jod und Folat deutlich stärker als der Energiebedarf. Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme, Kaffee und schwarzer Tee hemmen sie.

Was mit dem Bauch passiert

Bei einer ersten Schwangerschaft wird er meist zwischen SSW 16 und 20 sichtbar, bei späteren früher. Der Zeitpunkt sagt nichts aus – weder über die Größe des Kindes noch über den Verlauf.

Entscheidend sind Körperbau, Lage der Gebärmutter und die Bauchmuskulatur. Vergleiche in dieser Frage führen deshalb zuverlässig zu falschen Schlüssen.

Was manche jetzt bemerken: eine dunkler werdende Linie am Bauch, empfindlichere Haut und verstärkte Pigmentflecken. All das bildet sich nach der Schwangerschaft meist zurück.

Was jetzt zu planen ist

Die Hebammensuche für die Wochenbettbetreuung gehört ganz nach oben, falls noch offen – in vielen Regionen sind die Plätze Monate im Voraus vergeben.

Ebenfalls sinnvoll: den Geburtsvorbereitungskurs buchen, der meist um SSW 30 stattfindet, aber früh ausgebucht ist. Und Klinik oder Geburtshaus in Ruhe anschauen, solange der Bauch nicht stört.

Reisen sind im zweiten Drittel am günstigsten. Welche Fristen sich aus deinem Termin ergeben, rechnet der Fristenrechner aus.

Was bei der Ernährung jetzt zählt

Der Energiebedarf steigt im zweiten Drittel nur um etwa 250 Kilokalorien am Tag – das entspricht einem belegten Brot. Deutlich stärker steigt der Bedarf an Eisen, Jod, Folat und Kalzium.

Eisen steckt in Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Ob ein Präparat sinnvoll ist, klärt die Praxis anhand deiner Blutwerte – auf Verdacht einzunehmen ist nicht empfehlenswert.

Tabu bleiben rohe tierische Lebensmittel wegen Listerien und Toxoplasmen. Salat und Gemüse sind unproblematisch, wenn sie gründlich gewaschen werden, und Kaffee ist bis etwa zwei Tassen täglich vertretbar.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Praxis gehören Blutungen, Flüssigkeitsabgang, regelmäßige Kontraktionen, Fieber und starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Wassereinlagerungen. Auch anhaltende einseitige Unterbauchschmerzen sollten abgeklärt werden.

Und ein Hinweis, der in dieser Phase entlastet: Wer nichts spürt, obwohl andere längst berichten, hat nichts falsch gemacht. Die Spanne reicht bis SSW 22 und bei vorn liegender Plazenta darüber hinaus – daraus lässt sich weder auf die Aktivität des Kindes noch auf den Verlauf schließen.

Zusammengefasst: In SSW 18 kommen bei vielen die ersten Bewegungen an – als Blubbern, nicht als Tritt. Wer noch nichts spürt, hat oft schlicht eine vorn liegende Plazenta. Und beim zweiten Ultraschall steht eine Entscheidung an, die bewusst getroffen werden sollte: Basis-Untersuchung oder erweiterte Untersuchung.

Wie es weitergeht, steht in SSW 20, wenn Halbzeit ist. Welche Untersuchungen vorgesehen sind, steht unter Schwangerschaftsvorsorge.

Häufige Fragen

Wie groß ist das Kind in SSW 18?

Etwa 14 Zentimeter von Scheitel bis Steiß und rund 200 Gramm schwer. Die Beine sind inzwischen länger als die Arme.

Spüre ich jetzt die ersten Bewegungen?

Bei vielen ja. Anfangs fühlen sie sich nach Blubbern, Flattern oder Muskelzucken an, nicht nach Tritten – viele halten sie zunächst für Verdauung.

Was wird beim zweiten Ultraschall geprüft?

Wachstum, Fruchtwassermenge, Sitz der Plazenta und je nach gewählter Variante die Organe im Einzelnen. Die Wahl zwischen Basis-Untersuchung und erweiterter Untersuchung sollte bewusst getroffen werden.

Kann mein Kind schon hören?

Das Hörvermögen entwickelt sich in diesen Wochen. Ausgereift ist es etwa ab SSW 26 – dann unterscheidet das Kind Stimmen und reagiert auf Geräusche von außen.

Wie viel sollte ich zunehmen?

Im zweiten Drittel etwa 300 bis 500 Gramm pro Woche, abhängig vom Ausgangsgewicht. Beurteilt wird der Verlauf über die Schwangerschaft, nicht der Wert einer einzelnen Woche.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  2. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen zu Ernährung und Lebensstil in der Schwangerschaft
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen

Zuletzt geprüft am 23.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.