Kurz beantwortet
Die Empfehlungen zu Impfungen erstellt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut und aktualisiert sie jährlich. Der Beginn liegt im Säuglingsalter, weil bestimmte Erkrankungen gerade dann am gefährlichsten verlaufen. Welche Termine für dein Kind gelten, legt die kinderärztliche Praxis fest.
Impfungen sind das Thema, bei dem Eltern am meisten widersprüchliche Aussagen begegnen – oft mit erheblichem Nachdruck vorgetragen. Dieser Text nimmt an dieser Debatte nicht teil. Er erklärt, wie das System funktioniert, was bei einem Termin passiert und was danach üblich ist.
Wer die Empfehlungen zu Impfungen erstellt
Zuständig ist die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, kurz STIKO. Sie ist ein unabhängiges Gremium aus Fachleuten verschiedener Disziplinen, das die Studienlage auswertet und daraus Empfehlungen ableitet.
Diese Empfehlungen werden jährlich überarbeitet und im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht – die Fassung 2026 erschien im Januar. Zu den Änderungen gegenüber dem Vorjahr gehören unter anderem Anpassungen bei RSV, Haemophilus influenzae Typ b und Pneumokokken.
Genau deshalb steht hier kein Impfplan. Ein abgedruckter Kalender veraltet innerhalb eines Jahres, und ein veralteter Plan ist schlimmer als keiner. Was für dein Kind gilt, steht im aktuellen Kalender des RKI und wird in der kinderärztlichen Praxis festgelegt.
Warum Impfungen so früh beginnen
Der Beginn im Säuglingsalter wirkt auf viele Eltern früh. Der Grund ist der Verlauf der Erkrankungen selbst: Einige davon sind gerade für Säuglinge besonders gefährlich, weil ihr Immunsystem noch unerfahren ist und Krankheitsverläufe schneller ernst werden.
Dazu kommt der sogenannte Nestschutz. Über die Plazenta erhält ein Kind Antikörper der Mutter, die in den ersten Lebensmonaten wirken und dann nachlassen. In diese Lücke fallen die ersten Termine.
Wie ein Impftermin abläuft
Vor jeder Impfung steht ein Aufklärungsgespräch – das ist gesetzlich vorgeschrieben, nicht optional. Besprochen werden der Nutzen, mögliche Reaktionen und Umstände, die gegen den Termin sprechen könnten.
Dieses Gespräch ist der Ort für Fragen, und es lohnt sich, sie vorher aufzuschreiben. In der Praxis fällt regelmäßig genau das nicht ein, was zu Hause seit Wochen beschäftigt hat.
Anschließend wird geprüft, ob dein Kind an diesem Tag geimpft werden kann. Danach folgt die Impfung selbst, meist in den Oberschenkel, und eine kurze Wartezeit in der Praxis.
Impfungen und U-Untersuchungen sind zwei getrennte Dinge. Sie fallen häufig auf denselben Termin, weil das praktisch ist, folgen aber eigenen Plänen. Wer eine Impfung verschieben möchte oder muss, verschiebt damit nicht die Vorsorgeuntersuchung – und umgekehrt. Beides lässt sich trennen, etwa wenn dein Kind gerade einen Infekt hat.
Was nach Impfungen üblich ist
Häufig sind eine Rötung, Schwellung oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle, eine erhöhte Temperatur, Quengeligkeit, verminderter Appetit und ein größeres Schlafbedürfnis. Diese Reaktionen halten meist ein bis zwei Tage an und zeigen, dass das Immunsystem arbeitet.
Was hilft: Nähe, viel Trinken, kein volles Programm am Tag danach. Ob und was du bei Unwohlsein geben kannst, besprichst du beim Termin – hier steht bewusst kein Präparat und keine Menge, weil das vom Alter und Gewicht abhängt.
Anlass für einen Anruf sind hohes oder anhaltendes Fieber, ein auffallend schlaffes oder kaum weckbares Kind, anhaltendes schrilles Schreien, ein Krampfanfall oder eine ausgeprägte Schwellung, die sich über den Muskel hinaus ausbreitet.
Wie sich der Schutz aufbaut
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass eine einzelne Dosis genügt. Tatsächlich braucht der Aufbau bei den meisten Impfungen mehrere Schritte im Abstand von Wochen bis Monaten – erst die Grundimmunisierung, dann eine abschließende Dosis.
Der Grund liegt in der Arbeitsweise des Immunsystems: Beim ersten Kontakt entsteht eine Reaktion, die relativ schnell wieder abflaut. Erst durch die Wiederholung entsteht ein länger anhaltendes Gedächtnis. Deshalb sind die Abstände zwischen den Terminen nicht beliebig, sondern Teil der Wirkung.
Praktisch heißt das: Eine Serie, die nach der ersten Dosis abbricht, hinterlässt weniger als die Hälfte des möglichen Aufbaus. Wer Termine verschieben muss, sollte deshalb den Anschluss im Blick behalten.
Wenn dein Kind krank ist
Ein leichter Infekt ohne Fieber spricht in der Regel nicht gegen einen Termin – Schnupfen allein ist kein Hinderungsgrund. Bei Fieber wird meist verschoben.
Die Entscheidung trifft die Praxis beim Termin, und das ist ein Argument dafür, nicht vorschnell abzusagen. Wer im Zweifel anruft und die Situation schildert, bekommt eine Einschätzung – und spart sich womöglich eine unnötige Verschiebung.
Wenn ein Termin verpasst wurde
Das kommt häufig vor, gerade in Zeiten mit vielen Infekten. Nachholen ist fast immer möglich, und meist muss eine begonnene Serie nicht neu gestartet werden – jede Dosis zählt weiterhin.
Ein Anruf klärt, wie der Anschluss aussieht. Was sich nicht lohnt, ist Abwarten aus Unsicherheit: Je größer der Abstand, desto länger dauert der vollständige Aufbau.
Was neben den Impfungen noch angeboten wird
Seit einigen Jahren gibt es für Säuglinge zusätzlich eine Vorbeugung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV – einen Erreger, der bei Säuglingen schwere Atemwegsinfekte auslösen kann. Anders als eine Impfung wirkt sie über zugeführte Antikörper und damit sofort, aber zeitlich begrenzt.
Empfohlen wird sie in Bezug auf die RSV-Saison im Herbst und Winter, weshalb der Zeitpunkt vom Geburtsmonat abhängt. Auch hier gilt: Die Einzelheiten ändern sich, und was für dein Kind sinnvoll ist, klärt die Praxis.
Was in den Impfpass gehört
Jede Impfung wird dokumentiert, mit Datum, Impfstoff und Chargennummer. Der Impfpass gehört zu jedem Termin mitgebracht und sicher aufbewahrt – Kitas, Schulen und später Arbeitgeber fragen danach.
Ist er verloren, lässt sich vieles über die Praxis rekonstruieren, weil dort dokumentiert wird. Vollständig ist die Wiederherstellung allerdings selten, weshalb sich ein Foto der Seiten lohnt.
Wie du dich auf das Gespräch vorbereitest
Das Aufklärungsgespräch vor jeder Impfung ist der vorgesehene Ort für Fragen – und er wird selten ausgeschöpft, weil im Sprechzimmer wenig Zeit scheint und die Fragen zu Hause bleiben.
Nützlich sind konkrete Fragen statt allgemeiner: Welche Reaktionen sind bei diesem Termin zu erwarten? Was mache ich, wenn mein Kind Fieber bekommt? Wann ist der nächste Termin, und was passiert, wenn wir ihn nicht halten können? Gibt es bei uns etwas, das gegen den Termin spricht?
Wer Vorbehalte hat, sollte sie ansprechen statt sie mitzunehmen. Eine Praxis, die dein Kind betreut, kann darauf eingehen – ein Forum um drei Uhr nachts nicht.
Was dieser Text nicht leistet
Er nennt keine konkreten Termine, keine Impfstoffe und keine Mengen. Das ist Absicht: Der Kalender ändert sich jährlich, und die Entscheidung für ein bestimmtes Kind hängt an Dingen, die keine Website kennt – Frühgeburtlichkeit, Vorerkrankungen, Vorgeschichte in der Familie.
Was er leisten soll, ist Vorbereitung: dass du weißt, wer die Empfehlungen erstellt, wie ein Termin abläuft und welche Fragen du im Aufklärungsgespräch stellen kannst. Alles Weitere gehört in die Praxis, die dein Kind kennt.
Wo die Impftermine im Verlauf liegen, steht bei den einzelnen Abschnitten – etwa im 2. Lebensmonat, wenn die Grundimmunisierung beginnt, und im 12. Lebensmonat. Einen Überblick über die Vorsorge gibt der Beitrag zu den U-Untersuchungen.
Häufige Fragen
Wer legt fest, welche Impfungen empfohlen werden?
Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut. Sie ist ein unabhängiges Gremium, wertet die Studienlage aus und aktualisiert ihre Empfehlungen jährlich. Die Fassung 2026 erschien im Januar im Epidemiologischen Bulletin.
Warum beginnen die Impfungen so früh?
Weil einige Erkrankungen im Säuglingsalter besonders schwer verlaufen. Der Nestschutz über die Mutter lässt in den ersten Lebensmonaten nach, und genau in diese Lücke fallen die ersten Termine.
Was ist nach einer Impfung normal?
Rötung, Schwellung oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle, erhöhte Temperatur, Quengeligkeit und mehr Schlafbedürfnis für ein bis zwei Tage. Das sind Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet.
Darf mein Kind mit einem Infekt geimpft werden?
Ein leichter Infekt ohne Fieber spricht in der Regel nicht dagegen. Bei Fieber wird der Termin meist verschoben. Die Entscheidung trifft die Praxis beim Termin, deshalb lohnt kein vorschnelles Absagen.
Was tun, wenn ein Termin verpasst wurde?
Nachholen ist fast immer möglich, meist ohne dass eine Serie neu begonnen werden muss. Ein Anruf in der Praxis klärt, wie der Anschluss aussieht.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Impfkalender der Ständigen Impfkommission, Fassung 2026
- Robert Koch-Institut: Empfehlungen der STIKO, Epidemiologisches Bulletin 4/2026
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Impfkalender für Säuglinge, Kinder und Jugendliche
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Früherkennung und Vorsorge
Zuletzt geprüft am 21.08.2026
Ariane Nagel
Schreibt bei 1000tage.de über Ernährung, Schlaf und Entwicklung. Mutter von vier Kindern, die den Beikoststart auf vier verschiedene Arten erlebt haben – einmal nach Lehrbuch, dreimal überhaupt nicht. Genau daraus entsteht der Blickwinkel dieser Texte: Empfehlungen werden benannt, aber auch die Spannbreite dessen, was im Alltag davon übrig bleibt. Prüft jede Aussage gegen die Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaften.