Kurz beantwortet
In SSW 39 wiegt das Kind etwa 3300 Gramm und ist vollständig ausgereift. Die Geburt kann jederzeit beginnen. Zeichen dafür sind regelmäßige Wehen in kürzer werdenden Abständen, Fruchtwasserabgang oder blutiger Schleim – bei Fruchtwasserabgang geht es sofort in die Klinik.
In SSW 39 ist alles bereit, und die Geburt kann jederzeit beginnen. Für viele ist es eine Woche zwischen Anspannung und Ungeduld – und eine, in der jede Kleinigkeit als Anzeichen gedeutet wird. Tag 267 bis 273 der ersten 1000 Tage.
Was in SSW 39 passiert
Das Kind misst etwa 50 Zentimeter und wiegt rund 3300 Gramm, mit erheblicher Streuung nach oben und unten. Es nimmt weiterhin täglich zu.
Alle Organe arbeiten vollständig. Die Lunge ist ausgereift, der Saug-Schluck-Reflex ausgebildet, die Temperaturregulation vorbereitet.
Der Kopf ist bei den meisten fest ins Becken eingetreten. Die Schädelknochen sind dabei beweglich, damit sie sich unter der Geburt anpassen können – das ist der Grund, warum Neugeborene manchmal eine leicht verformte Kopfform haben, die sich innerhalb von Tagen zurückbildet.
| Bereich | Stand |
|---|---|
| Größe | etwa 50 cm von Kopf bis Fuß |
| Gewicht | rund 3300 Gramm |
| Reife | vollständig |
| Lage | Kopf meist fest im Becken |
| Tage der 1000 | Tag 267 bis 273 |
Woran du den Geburtsbeginn erkennst
Regelmäßige Wehen. Sie kommen in kürzer werdenden Abständen, werden stärker und lassen durch Ruhe oder ein warmes Bad nicht nach. Genau darin unterscheiden sie sich von Übungswehen.
Fruchtwasserabgang. Als Schwall oder anhaltendes Rinnen. Hier geht es in die Klinik, auch ohne Wehen – nach dem Blasensprung besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Zeichnungsblutung. Blutiger Schleim, der sich löst. Er kann Tage vorher auftreten und ist allein kein Grund zur Eile.
Ebenfalls verbreitet sind Durchfall oder Übelkeit kurz vor Beginn, ausgelöst durch die Hormonumstellung.
Bei Unsicherheit anrufen, nicht abwarten. Kreißsäle sind rund um die Uhr besetzt, und die Frage, ob es losgeht, ist dort die häufigste überhaupt. Niemand muss sich dafür entschuldigen, und niemand wird weggeschickt. Was am Telefon gefragt wird: Abstand und Dauer der Wehen, ob Fruchtwasser abgegangen ist, wie es dem Kind geht und die wievielte Geburt es ist. Wer das parat hat, ist schneller durch.
Wann es zur Klinik geht
Bei einer ersten Geburt gilt als Anhaltspunkt: wenn die Wehen über eine Stunde etwa alle fünf Minuten kommen und jeweils rund eine Minute dauern.
Bei weiteren Geburten früher, weil es meist schneller geht. Hier lohnt es, nicht auf die Fünf-Minuten-Regel zu warten – wer schon einmal geboren hat, sollte mit der Hebamme besprechen, welcher Zeitpunkt passt.
Sofort geht es los bei Fruchtwasserabgang, bei Blutungen und wenn die Kindsbewegungen deutlich nachlassen.
Was in der Klinik zuerst passiert
Nach der Ankunft folgt eine Aufnahmeuntersuchung: ein CTG, eine Tastuntersuchung zum Stand des Muttermunds und ein Gespräch über den bisherigen Verlauf. Dafür wird der Mutterpass gebraucht.
Daraus ergibt sich, ob die Geburt begonnen hat. Ist der Muttermund noch kaum verändert, wird häufig empfohlen, nach Hause zurückzukehren – das ist keine Abweisung, sondern sinnvoll, weil die frühe Phase zu Hause meist entspannter verläuft.
Wer nach Hause geschickt wird, sollte das nicht als Fehlalarm werten. Es passiert häufig, und beim zweiten Mal ist die Unsicherheit kleiner.
Wie es dir geht
Der Druck nach unten ist deutlich, das Gehen beschwerlich, und viele beschreiben eine Mischung aus Erschöpfung und Unruhe.
Der Schlaf bleibt gestört – teils wegen der Blase, teils wegen der Anspannung. Ein Mittagsschlaf ist in dieser Phase sinnvoll, weil die Nächte wenig hergeben.
Häufig ist auch ein Drang, zu Hause alles herzurichten. Wer ihn spürt, sollte ihm mit Maß nachgeben: Reserven sind für die Geburt nützlicher als ein aufgeräumtes Haus.
Was die frühe Phase zu Hause erleichtert
Die Zeit zwischen den ersten regelmäßigen Wehen und dem Aufbruch in die Klinik kann Stunden dauern – und sie verläuft zu Hause meist entspannter als im Kreißsaal.
Was in dieser Phase hilft: Bewegung, warmes Wasser, Positionswechsel, ruhige Umgebung und etwas zu essen, solange es geht. Auch Schlaf, wenn er noch möglich ist – gerade wenn es nachts beginnt.
Was weniger hilft, ist das Zählen jeder Wehe von der ersten an. Ein grober Blick auf Abstand und Dauer reicht, und Aufmerksamkeit auf den Körper bringt in dieser Phase mehr als auf die Uhr.
Was jetzt griffbereit sein sollte
Die Kliniktasche, die Unterlagen und die Nummer der Kreißsaal-Anmeldung. Zu den Unterlagen gehören Mutterpass, Versichertenkarte, Ausweise und gegebenenfalls Eheurkunde oder Vaterschaftsanerkennung.
Ebenfalls geklärt sein sollte, wie ihr zur Klinik kommt, wer informiert wird und – falls ein älteres Kind da ist – wer es übernimmt. Diese Absprachen im Moment selbst zu treffen, funktioniert erfahrungsgemäß schlecht.
Was danach ansteht, steht unter Papierkram nach der Geburt. Welche Fristen gelten, rechnet der Fristenrechner aus.
Was Partner in dieser Woche tun können
Die Rolle ist konkreter, als viele denken. Praktisch: erreichbar sein und das auch sagen, den Weg zur Klinik kennen, das Handy geladen halten, Tank oder Akku voll.
Unter der Geburt zählt vor allem Anwesenheit – Getränke reichen, Positionen unterstützen, zwischen den Wehen ansprechbar sein. Wer nicht weiß, was er tun soll, kann fragen, und die Hebamme sagt es.
Und im Umfeld: Nachfragen abfangen statt weiterreichen. Wer schwanger ist, merkt es als Erste – die zwanzigste Nachricht am Tag macht die Wartezeit für beide länger.
Was passiert, wenn der Termin verstreicht
Nur ein kleiner Teil der Kinder kommt am errechneten Termin. Die meisten Geburten liegen zwischen SSW 37 und 42 – der Termin ist ein Mittelwert, kein Datum.
Ab dem Termin werden die Kontrollen engmaschiger, meist alle zwei Tage mit CTG und Ultraschall. Geprüft werden Herztöne und Fruchtwassermenge, weil die Leistungsfähigkeit der Plazenta nachlässt.
Etwa ab SSW 41 wird über eine Einleitung gesprochen. Von Übertragung ist fachlich erst ab SSW 42 die Rede – wer vorher hört, das Kind sei überfällig, hört eine Zuschreibung, keine Diagnose.
Wann du nicht abwarten solltest
In die Klinik gehören Fruchtwasserabgang, Blutungen, deutlich verminderte Kindsbewegungen, anhaltend starke Schmerzen sowie Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.
Bei den Bewegungen gilt bis zuletzt: Die Abweichung vom gewohnten Muster ist das Zeichen. Dass ein Kind sich kurz vor der Geburt weniger bewegt, weil es weniger Platz hat, ist ein verbreiteter Irrtum.
Und eine Einordnung, die viele entlastet: Die Vorstellung, man könne den Geburtsbeginn verpassen, ist unbegründet. Eine Geburt kündigt sich an, und die frühe Phase dauert bei den meisten Stunden. Wer aufmerksam ist, merkt es rechtzeitig – niemand muss dafür wach bleiben oder ständig kontrollieren.
Zusammengefasst: In SSW 39 kann es jederzeit losgehen. Die drei Zeichen sind regelmäßige Wehen, Fruchtwasserabgang und blutiger Schleim – wobei der Fruchtwasserabgang allein schon der Grund ist, sofort zu fahren. Bei allem anderen gilt: anrufen kostet nichts, und die Frage ist im Kreißsaal die häufigste überhaupt.
Wie es weitergeht, steht in SSW 40. Was beim Kaiserschnitt zu wissen ist, steht unter Kaiserschnitt, und was danach kommt, unter Wochenbett.
Häufige Fragen
Wie groß ist das Kind in SSW 39?
Etwa 50 Zentimeter und rund 3300 Gramm, mit erheblicher Streuung. Die Gewichtsschätzung per Ultraschall hat im letzten Drittel eine Fehlerbreite von zehn Prozent und mehr.
Woran erkenne ich, dass es losgeht?
An regelmäßigen Wehen in kürzer werdenden Abständen, die durch Ruhe nicht nachlassen, an Fruchtwasserabgang oder an blutigem Schleim. Bei Fruchtwasserabgang geht es sofort in die Klinik, auch ohne Wehen.
Wann fahre ich in die Klinik?
Bei einer ersten Geburt als Anhaltspunkt, wenn die Wehen über eine Stunde etwa alle fünf Minuten kommen und rund eine Minute dauern. Bei weiteren Geburten früher. Im Zweifel anrufen.
Was passiert, wenn der Termin verstreicht?
Die Kontrollen werden engmaschiger, meist alle zwei Tage mit CTG und Ultraschall. Von Übertragung wird fachlich erst ab SSW 42 gesprochen. Etwa ab SSW 41 wird über eine Einleitung geredet.
Bewegt sich das Kind jetzt weniger?
Nein. Die Art der Bewegung ändert sich, weil der Platz enger ist – die Häufigkeit sollte gleich bleiben. Deutlich weniger als gewohnt gehört am selben Tag abgeklärt.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
- Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
- Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz: § 16 BEEG – Inanspruchnahme der Elternzeit
Zuletzt geprüft am 23.08.2026
Maik Möhring
Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.