1000 Tage
Tag 246 – 252 · SSW 38

SSW 38: Warten, wenn alles bereit ist

Geprüft am 23.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
SSW 38 – In einem lichtdurchfluteten Schlafzimmer am späten Vormittag sitzt eine hochschwangere Frau im
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

In SSW 38 wiegt das Kind etwa 3100 Gramm und ist vollständig auf die Geburt vorbereitet. Nur ein kleiner Teil der Kinder kommt am errechneten Termin – die meisten Geburten liegen im Zeitraum zwischen SSW 37 und 42. Ab dem Termin wird engmaschiger kontrolliert.

In SSW 38 ist alles vorbereitet: Das Kind ist reif, die Tasche gepackt, der Mutterschutz läuft. Was bleibt, ist Warten – und für viele ist das die anstrengendste Phase der ganzen Schwangerschaft. Tag 260 bis 266 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 38 passiert

Das Kind misst etwa 49 Zentimeter und wiegt rund 3100 Gramm. Es nimmt weiterhin täglich zu, überwiegend Fettgewebe, das nach der Geburt für die Temperaturregulation gebraucht wird.

Die Organe arbeiten vollständig. Im Darm hat sich Mekonium angesammelt – das erste Stuhlgut, das meist in den ersten Tagen nach der Geburt ausgeschieden wird.

Der Kopf ist bei vielen Kindern fest ins Becken eingetreten, und die Bewegungen fühlen sich anders an: weniger Tritte, mehr Schieben und Drehen.

Anhaltspunkte in SSW 38
Bereich Stand
Größe etwa 49 cm von Kopf bis Fuß
Gewicht rund 3100 Gramm
Organe vollständig arbeitsfähig
Lage Kopf meist fest im Becken
Tage der 1000 Tag 260 bis 266

Warum der Termin kein Datum ist

Nur ein kleiner Teil der Kinder kommt am errechneten Termin zur Welt. Die meisten Geburten liegen im Zeitraum zwischen SSW 37 und 42 – eine Spanne von fünf Wochen.

Der Termin ist ein statistischer Mittelwert, berechnet aus der letzten Regel und korrigiert über die frühe Ultraschallmessung. Er beschreibt, wann eine Geburt wahrscheinlich ist, nicht wann sie stattfindet.

Das zu wissen nimmt einiges an Druck – vor allem, wenn der Termin verstreicht und im Umfeld täglich nachgefragt wird.

Ein praktischer Rat aus vielen Erfahrungsberichten: Nenne im Umfeld nicht den errechneten Termin, sondern eine Woche später – oder sag gleich, es werde Ende des Monats. Ab dem genannten Datum kommen täglich Nachfragen, und jede einzelne macht das Warten länger. Wer den Termin für sich behält, erspart sich das, ohne jemanden zu belügen.

Was nach dem Termin passiert

Ab dem errechneten Termin werden die Kontrollen engmaschiger, meist alle zwei Tage. Geprüft werden die Herztöne per CTG und die Fruchtwassermenge per Ultraschall.

Der Grund ist, dass die Leistungsfähigkeit der Plazenta mit der Zeit nachlässt. Solange die Werte unauffällig sind, besteht kein Anlass zur Eile.

Etwa ab SSW 41 wird über eine Einleitung gesprochen. Wann genau, unterscheidet sich zwischen Kliniken und hängt von der Situation ab – es lohnt, die Möglichkeiten vorher zu kennen statt sie im Gespräch zum ersten Mal zu hören.

Was bei einer Einleitung passiert

Sie wird besprochen, wenn der Termin überschritten ist oder wenn medizinische Gründe dafür sprechen – etwa Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes oder eine auffällige Fruchtwassermenge.

Es gibt mehrere Wege: Medikamente zur Reifung des Muttermunds, ein Zugang über die Vene mit wehenförderndem Mittel, oder mechanische Verfahren. Welcher infrage kommt, hängt vom Befund ab.

Was sich lohnt: die Möglichkeiten vorher kennen und fragen, was für und was gegen ein Abwarten spricht. Eine Einleitung ist eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit – und du darfst dafür Bedenkzeit haben, solange keine Eile geboten ist.

Was zum Anstoßen der Geburt zu sagen ist

Zu den verbreiteten Hausmitteln gibt es wenig Belastbares. Manche sind harmlos, andere nicht – bestimmte Mittel und Öle können unerwünschte Wirkungen haben.

Was unbedenklich ist und guttut: Bewegung, Spaziergänge, Treppensteigen. Ob es die Geburt tatsächlich beschleunigt, ist offen; es schadet jedenfalls nicht.

Alles andere gehört mit der Hebamme oder der gynäkologischen Praxis besprochen. Was im Internet kursiert, ist an dieser Stelle keine gute Grundlage.

Wann von Übertragung gesprochen wird

Fachlich beginnt sie erst ab SSW 42, also zwei Wochen nach dem errechneten Termin. Bis dahin ist eine Schwangerschaft schlicht länger als der Durchschnitt, nicht überfällig.

Der Begriff wird im Alltag deutlich früher verwendet, und das erzeugt Druck, der sachlich nicht begründet ist. Wer ab dem Termin hört, das Kind sei überfällig, hört eine Zuschreibung, keine Diagnose.

Was tatsächlich passiert, ist eine engmaschigere Kontrolle – und die dient dazu, den richtigen Zeitpunkt zu finden, nicht dazu, zu drängen.

Wie es dir geht

Der Druck nach unten ist deutlich, das Gehen wird beschwerlich, und viele beschreiben eine Mischung aus Erschöpfung und Ungeduld.

Der Schlaf bleibt unruhig – teils wegen der Blase, teils weil keine Position bequem ist, teils wegen der Anspannung. Ein Mittagsschlaf ist in dieser Phase kein Luxus, sondern sinnvoll.

Häufig ist auch ein Drang, alles herzurichten und zu putzen. Wer ihn spürt, sollte ihm mit Maß nachgeben: Reserven sind für die Geburt nützlicher als ein aufgeräumtes Haus.

Was Partner in diesen Wochen tun können

Die Wartezeit betrifft beide, wird aber unterschiedlich erlebt – und Partner werden dabei seltener gefragt.

Was praktisch hilft: erreichbar sein und das auch sagen, den Weg zur Klinik kennen, das Handy geladen halten. Und im Umfeld die Nachfragen abfangen, statt sie weiterzureichen.

Was ebenso zählt: nicht ständig fragen, ob es losgeht. Wer schwanger ist, merkt es als Erste – und die zwanzigste Nachfrage am Tag macht die Wochen für beide länger.

Was in dieser Zeit hilft

Ablenkung. Verabredungen, Spaziergänge, Dinge, die nichts mit der Geburt zu tun haben.

Bewegung. Sie tut körperlich gut, hilft gegen Rückenschmerzen und gegen das Grübeln.

Kontakt zur Hebamme. Wer eine hat, kann Fragen stellen, ohne einen Termin zu brauchen – das nimmt viel Unsicherheit.

Wenig Erklärungsdruck. Nachrichten müssen nicht sofort beantwortet werden, und niemand schuldet dem Umfeld einen Statusbericht.

Woran du den Geburtsbeginn erkennst

An regelmäßigen Wehen in kürzer werdenden Abständen, die durch Ruhe nicht nachlassen. Bei einer ersten Geburt gilt als Anhaltspunkt: über eine Stunde etwa alle fünf Minuten, jeweils rund eine Minute.

Bei Fruchtwasserabgang geht es sofort los, auch ohne Wehen – nach dem Blasensprung besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Blutiger Schleim kann Tage vorher auftreten und ist allein kein Grund zur Eile. Bei einer stärkeren Blutung dagegen schon.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Klinik gehören Fruchtwasserabgang, Blutungen, deutlich verminderte Kindsbewegungen, anhaltend starke Schmerzen sowie Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.

Bei den Bewegungen gilt bis zuletzt: Die Abweichung vom gewohnten Muster ist das Zeichen. Dass ein Kind sich kurz vor der Geburt weniger bewegt, ist ein verbreiteter Irrtum.

Zusammengefasst: In SSW 38 ist alles bereit, und was bleibt, ist Warten. Der errechnete Termin ist ein Mittelwert, kein Datum – die meisten Geburten liegen zwischen SSW 37 und 42. Von Übertragung wird erst ab SSW 42 gesprochen. Und der praktischste Rat für diese Wochen: den Termin im Umfeld nicht nennen.

Wie es weitergeht, steht in SSW 40. Was danach ansteht, steht unter Wochenbett und unter Papierkram nach der Geburt.

Häufige Fragen

Wie viele Kinder kommen am errechneten Termin?

Nur ein kleiner Teil. Der Termin ist ein statistischer Mittelwert, kein Datum – die meisten Geburten liegen im Zeitraum zwischen SSW 37 und 42, und das ist alles normal.

Was passiert nach dem Termin?

Die Kontrollen werden engmaschiger, meist alle zwei Tage mit CTG und Ultraschall. Geprüft werden Fruchtwassermenge und Herztöne, weil die Leistungsfähigkeit der Plazenta nachlässt.

Kann ich die Geburt anstoßen?

Für die meisten verbreiteten Hausmittel gibt es keine belastbaren Belege, und manche sind nicht harmlos. Bewegung schadet nicht. Alles Weitere gehört mit der Hebamme oder der Praxis besprochen.

Woran erkenne ich, dass es losgeht?

An regelmäßigen Wehen in kürzer werdenden Abständen, die durch Ruhe nicht nachlassen, an Fruchtwasserabgang oder an blutigem Schleim. Bei Fruchtwasserabgang gehört der Weg in die Klinik.

Was hilft gegen das Warten?

Ablenkung, Bewegung und möglichst wenig Erklärungsdruck. Vielen hilft, den Termin im Umfeld nicht zu nennen oder später anzugeben – ständige Nachfragen machen die Wochen länger.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  2. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen in der Schwangerschaft

Zuletzt geprüft am 23.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.