1000 Tage
Tag 211 – 217 · SSW 33

SSW 33: Das Kind sammelt Abwehrkräfte

Geprüft am 23.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
SSW 33 – Parkettboden des Schlafzimmers (bedroom floor). * Action: Packing open travel bag for
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

In SSW 33 wiegt das Kind etwa zwei Kilogramm und misst rund 44 Zentimeter. Über die Plazenta übernimmt es Antikörper der Mutter, die im ersten Halbjahr nach der Geburt schützen. Die Vorsorgetermine liegen jetzt alle zwei Wochen, der Mutterschutz beginnt etwa ab SSW 34.

In SSW 33 passiert etwas, das erst nach der Geburt sichtbar wird: Das Kind sammelt Abwehrkräfte für die ersten Lebensmonate. Gleichzeitig rückt der Mutterschutz näher. Tag 225 bis 231 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 33 passiert

Das Kind misst etwa 44 Zentimeter von Kopf bis Fuß und wiegt rund zwei Kilogramm. Das Fettgewebe nimmt weiter zu, die Haut wird glatter und die Falten verschwinden.

Über die Plazenta gelangen Antikörper der Mutter zum Kind – ein Vorgang, der vor allem im letzten Drittel abläuft. Dieser Nestschutz wirkt in den ersten Lebensmonaten und erklärt, warum Säuglinge in dieser Zeit vergleichsweise selten erkranken.

Auch die Lunge ist inzwischen weit gereift, und die Nieren arbeiten. Das Kind schluckt täglich Fruchtwasser, das mehrmals ausgetauscht wird.

Anhaltspunkte in SSW 33
Bereich Stand
Größe etwa 44 cm von Kopf bis Fuß
Gewicht rund 2000 Gramm
Immunsystem Antikörper der Mutter werden übernommen
Lage viele Kinder drehen sich jetzt
Tage der 1000 Tag 225 bis 231

Was der Nestschutz leistet

Die übernommenen Antikörper schützen gegen Erreger, mit denen die Mutter Kontakt hatte – entweder durch durchgemachte Erkrankungen oder durch Impfungen.

Dieser Schutz baut sich in den ersten Lebensmonaten ab. Genau in diese Lücke fallen die ersten eigenen Impfungen, und genau deshalb häufen sich Infekte typischerweise erst im zweiten Lebenshalbjahr.

Frühgeborene erhalten weniger davon, weil der Übergang überwiegend im letzten Drittel stattfindet. Das ist einer der Gründe, warum sie anfälliger sind und in den ersten Monaten mehr Schutz brauchen.

Der Mutterschutz beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin. Für die Krankenkasse brauchst du eine Bescheinigung über den Termin, die frühestens sieben Wochen vorher ausgestellt werden darf – dieser Termin gehört jetzt in den Kalender. Wer bis zum Schluss arbeiten möchte, kann sich ausdrücklich dazu bereit erklären und diese Erklärung jederzeit widerrufen, ohne Begründung und ohne Frist.

Wie es dir geht

Der Bauch ist deutlich schwerer geworden, und die Beweglichkeit nimmt ab. Sodbrennen und Kurzatmigkeit sind häufig, weil die Gebärmutter auf Magen und Zwerchfell drückt.

Dazu kommen Rückenschmerzen, Wadenkrämpfe, Wassereinlagerungen und ein unruhiger Schlaf. Viele wachen nachts mehrfach auf – teils wegen der Blase, teils weil keine Position mehr bequem ist.

Übungswehen werden deutlicher und häufiger. Senkwehen können dazukommen: Sie schieben das Kind tiefer ins Becken, sind kein Geburtsbeginn und lassen bei Ruhe nach.

Was mit der Kindslage ist

Viele Kinder haben sich inzwischen mit dem Kopf nach unten gedreht oder tun es in diesen Wochen. Bis SSW 36 ist eine Drehung noch gut möglich, weil genug Platz vorhanden ist.

Liegt ein Kind auch danach mit dem Kopf nach oben, wird das besprochen. Eine Möglichkeit ist die äußere Wendung um SSW 37 – ein Versuch, das Kind von außen zu drehen, der in der Klinik unter Überwachung stattfindet.

Was in dieser Phase sinnvoll ist: die Lage bei den Terminen im Blick behalten und nicht vorschnell mit Übungen beginnen, die für einen späteren Zeitpunkt gedacht sind.

Was Impfungen in der Schwangerschaft damit zu tun haben

Weil Antikörper übergehen, wirken bestimmte Impfungen der Mutter auch für das Kind. Empfohlen werden in der Schwangerschaft insbesondere die Grippeimpfung und die Impfung gegen Keuchhusten.

Letztere ist besonders relevant, weil Keuchhusten für Säuglinge gefährlich sein kann und die eigenen Impfungen erst später beginnen. Der empfohlene Zeitraum liegt im dritten Drittel, damit möglichst viele Antikörper übergehen.

Ob und wann das im Einzelfall sinnvoll ist, klärt die gynäkologische oder hausärztliche Praxis. Auch für das Umfeld – Partner, Großeltern, Geschwister – wird ein Impfschutz empfohlen, damit ein Säugling nicht angesteckt wird.

Was bei den Terminen jetzt geprüft wird

Die Vorsorgetermine liegen ab SSW 32 alle zwei Wochen. Geprüft werden Blutdruck, Gewicht, Urin auf Eiweiß und Zucker, der Stand der Gebärmutter und die kindlichen Herztöne.

Bei Bedarf kommen CTG-Kontrollen dazu, mit denen Herzschlag und Wehentätigkeit über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet werden.

Um SSW 35 bis 37 bieten viele Praxen einen Abstrich auf B-Streptokokken an. Fällt er positiv aus, bekommst du unter der Geburt ein Antibiotikum, was das Risiko für das Kind deutlich senkt.

Was jetzt noch gut tut

Bewegung bleibt sinnvoll, wird aber anstrengender. Schwimmen entlastet am deutlichsten, weil das Gewicht getragen wird – für viele ist es in dieser Phase die einzige Form, bei der der Rücken Ruhe hat.

Beckenbodenübungen zahlen sich weiterhin aus, und zwar für die Zeit danach: Wer die Ansteuerung kennt, tut sich mit der Rückbildung leichter.

Beim Schlafen helfen Kissen zwischen den Knien und im Rücken sowie ein erhöhter Oberkörper gegen Sodbrennen. Wer nachts auf dem Rücken aufwacht, dreht sich einfach zurück – der Körper meldet sich in der Regel selbst.

Was jetzt vorbereitet sein sollte

Die Kliniktasche gehört in den nächsten Wochen bereitgestellt. Wichtiger als der Inhalt sind die Unterlagen: Mutterpass, Versichertenkarte, Ausweise und gegebenenfalls Eheurkunde oder Vaterschaftsanerkennung.

Ebenfalls jetzt: die Anmeldung im Geburtsort abschließen, eine kinderärztliche Praxis suchen und das Schreiben für die Elternzeit vorbereiten – die Frist greift eine Woche nach der Geburt.

Und Vaterschaftsanerkennung sowie Sorgeerklärung lassen sich bei nicht verheirateten Eltern noch vor der Geburt kostenfrei beim Jugendamt erledigen. Was insgesamt ansteht, steht unter Papierkram nach der Geburt.

Was in dieser Phase häufig beschäftigt

Die Sorge vor einer frühen Geburt. Sie nimmt in diesen Wochen ab, weil die Aussichten mit jeder Woche besser werden. Ab SSW 34 gelten sie als sehr gut, ab SSW 37 spricht man von einer Geburt am Termin.

Der Gedanke an die Geburt selbst. Anspannung davor ist verbreitet und kein schlechtes Zeichen. Was hilft, ist konkretes Wissen über den Ablauf – genau dafür ist der Geburtsvorbereitungskurs da.

Die Frage, ob man vorbereitet ist. Praktisch braucht ein Neugeborenes wenig: Kleidung, Windeln, einen sicheren Schlafplatz und jemanden, der da ist. Alles andere lässt sich nachholen.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Klinik gehören regelmäßige Kontraktionen vor SSW 37, Blutungen, Flüssigkeitsabgang, deutlich verminderte Kindsbewegungen sowie starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.

Bei den Bewegungen gilt: Die Abweichung vom gewohnten Muster ist das Zeichen. Die Vorstellung, ein Kind bewege sich gegen Ende weniger, weil es weniger Platz hat, ist verbreitet und falsch.

Zusammengefasst: In SSW 33 sammelt das Kind Antikörper für die ersten Lebensmonate, und die Vorsorge läuft im Zwei-Wochen-Takt. Konkret anstehen die Bescheinigung für die Krankenkasse, die Kliniktasche und die Anmeldung im Geburtsort. Die Kindslage wird beobachtet, ist aber bis SSW 36 noch offen.

Wie es weitergeht, steht in SSW 36 und SSW 40. Welche Untersuchungen vorgesehen sind, steht unter Schwangerschaftsvorsorge.

Häufige Fragen

Wie groß ist das Kind in SSW 33?

Etwa 44 Zentimeter von Kopf bis Fuß und rund zwei Kilogramm schwer. Bis zur Geburt kommt noch etwa ein weiteres Kilogramm dazu, überwiegend Fettgewebe.

Was hat es mit den Antikörpern auf sich?

Im letzten Drittel gelangen Antikörper der Mutter über die Plazenta zum Kind. Dieser Nestschutz wirkt in den ersten Lebensmonaten und lässt danach nach – ein Grund, warum Frühgeborene anfälliger sind.

Wann beginnt der Mutterschutz?

Sechs Wochen vor dem errechneten Termin, also etwa ab SSW 34. Wer vorher noch arbeiten möchte, kann sich ausdrücklich bereit erklären und die Erklärung jederzeit widerrufen.

Wie liegt das Kind jetzt?

Viele Kinder haben sich in die Geburtslage gedreht oder tun es in diesen Wochen. Bis SSW 36 ist eine Drehung noch gut möglich – die Lage wird bei den Terminen weiter beobachtet.

Was sind Senkwehen?

Unregelmäßige Kontraktionen, die das Kind tiefer ins Becken schieben. Sie treten meist einige Wochen vor der Geburt auf, sind kein Geburtsbeginn und lassen bei Ruhe nach.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  2. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen in der Schwangerschaft

Zuletzt geprüft am 23.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.