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Schnuller: Nutzen, Nachteile und der richtige Zeitpunkt zum Abgewöhnen

Geprüft am 22.08.2026 Ariane Nagel Von Ariane Nagel 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 29.09.2026
Schnuller – Gegenstände:* Gestreifter Strampler, Holzgitterbett, helles Spannbettlaken, mattschimmernder Silik
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

Ein Schnuller zum Einschlafen wird als schützend für sicheren Säuglingsschlaf beschrieben. Bei gestillten Kindern wird empfohlen, mit der Einführung zu warten, bis das Stillen gut läuft. Ab etwa dem zweiten Geburtstag steigt das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen, weshalb dann der Übergang angegangen werden sollte.

Der Schnuller ist eines der wenigen Hilfsmittel, bei denen sich Fachleute weitgehend einig sind – und trotzdem ein Thema, zu dem im Umfeld sehr feste Meinungen kursieren. Ein nüchterner Blick auf beide Seiten.

Warum Säuglinge saugen wollen

Das Saugbedürfnis ist angeboren und geht über die Nahrungsaufnahme hinaus. Es beruhigt, senkt die Herzfrequenz und hilft beim Umgang mit Reizen – ein Mechanismus, der schon vor der Geburt vorhanden ist.

Deshalb suchen Säuglinge auch dann etwas zum Saugen, wenn sie satt sind. Wer keinen Schnuller anbietet, erlebt oft, dass Finger, Faust oder die Brust diese Rolle übernehmen.

Dieses Bedürfnis nimmt im Lauf des ersten Jahres ab und verliert sich bei den meisten Kindern im zweiten – parallel dazu wächst die Fähigkeit, sich anders zu beruhigen.

Was für den Schnuller spricht

Beruhigung. Er wirkt zuverlässig und schnell, was besonders in den ersten Monaten hilft.

Schlaf. Ein Schnuller zum Einschlafen wird als schützend für sicheren Säuglingsschlaf beschrieben. Wenn er im Schlaf herausfällt, muss er nicht wieder hineingegeben werden.

Er lässt sich abgewöhnen. Anders als der Daumen, der immer verfügbar ist – das ist der wichtigste praktische Unterschied zwischen beiden.

Schmerzlinderung. Bei kleinen Eingriffen wie Blutabnahmen wird Saugen zur Beruhigung eingesetzt.

Was dagegen spricht

Der Stillstart. In den ersten Wochen kann ein Schnuller die Etablierung des Stillens stören, weil die Saugtechnik an der Brust eine andere ist. Deshalb die Empfehlung, zu warten, bis das Stillen gut läuft.

Zähne und Kiefer. Ab etwa dem zweiten Geburtstag steigt das Risiko für Fehlstellungen deutlich – ein offener Biss oder ein verschobener Kiefer entstehen durch dauerhaften Druck.

Sprache. Ein Schnuller im Mund verhindert Lautbildung. Wer ihn tagsüber dauerhaft nutzt, hat weniger Gelegenheit zum Üben.

Mittelohrentzündungen. Häufiger Gebrauch wird mit einem leicht erhöhten Risiko in Verbindung gebracht.

Entscheidend ist weniger das Ob als das Wie viel. Ein Schnuller zum Einschlafen und zur Beruhigung in schwierigen Momenten ist etwas anderes als einer, der den ganzen Tag im Mund steckt. Wer ihn ab dem ersten Lebensjahr auf bestimmte Situationen begrenzt, vermeidet die meisten Nachteile – und macht das spätere Abgewöhnen erheblich leichter.

Was Schnuller und Stillen miteinander zu tun haben

Die Saugtechnik unterscheidet sich: An der Brust arbeitet ein Kind mit Zunge und Kiefer anders als am Schnuller oder an einer Flasche. In den ersten Wochen, wenn sich das Stillen erst einspielt, kann diese Umstellung stören.

Deshalb lautet die Empfehlung, mit der Einführung zu warten, bis das Stillen gut läuft – meist einige Wochen. Danach ist der Zusammenhang deutlich schwächer.

Ein zweiter Punkt betrifft die Häufigkeit des Anlegens: Wer Hungerzeichen mit dem Schnuller überbrückt, legt seltener an – und die Milchmenge richtet sich nach der Nachfrage. In den ersten Wochen sollte deshalb immer erst die Brust angeboten werden.

Worauf du bei der Auswahl achten kannst

Die Größe sollte zum Alter passen und regelmäßig geprüft werden. Beim Material gibt es Latex und Silikon – Latex ist weicher und nutzt sich schneller ab, Silikon ist formstabiler und geruchsneutral.

Beim Schild ist wichtig, dass es Luftlöcher hat und breit genug ist, damit es nicht in den Mund gezogen werden kann.

Regelmäßig zu prüfen ist der Zustand: Risse, klebrige Stellen oder ein aufgequollener Sauger bedeuten Austausch. Und was nicht sein sollte: den Schnuller ablecken, bevor man ihn gibt – dabei werden Kariesbakterien übertragen.

Was passiert, wenn ein Kind ihn nicht mag

Nicht jedes Kind nimmt einen Schnuller, und das ist völlig in Ordnung. Manche lehnen ihn von Anfang an ab, andere spucken ihn nach wenigen Sekunden aus.

Wer es trotzdem versuchen möchte, kann verschiedene Formen ausprobieren – die Sauger unterscheiden sich erheblich, und manche Kinder haben klare Vorlieben. Ein zweiter Versuch nach dem Trinken verläuft oft anders als einer bei Hunger.

Wenn es dabei bleibt, entfällt schlicht ein Hilfsmittel. Beruhigen lässt sich ein Kind auch anders: durch Tragen, Nähe, gleichmäßige Bewegung. Und das spätere Abgewöhnen entfällt gleich mit.

Wann der Übergang ansteht

Grobe Orientierung
Alter Empfehlung
0 bis 4 Wochen bei gestillten Kindern eher warten
bis 12 Monate unproblematisch, gilt beim Schlafen als schützend
ab 12 Monaten auf Schlafen und Trösten begrenzen
ab 24 Monaten Übergang angehen
ab 36 Monaten möglichst beendet

Wie das Abgewöhnen gelingt

Schrittweise funktioniert besser als abrupt. Zuerst werden die Situationen begrenzt: nicht draußen, nicht beim Spielen, nicht beim Essen. Dann die Zeiten: nur noch zum Einschlafen.

Für den letzten Schritt haben sich Rituale bewährt – ein Tausch gegen etwas anderes, ein gemeinsames Verabschieden, eine Geschichte darum herum. Wichtig ist, dass das Kind beteiligt ist und es nicht heimlich verschwindet.

Nachts fällt es am schwersten, weil dort die Selbstberuhigung fehlt. Was hilft, ist ein Ersatz für den Körperkontakt: mehr Nähe beim Einschlafen, ein vertrautes Tuch, verlässliche Abläufe.

Rechne mit einigen unruhigen Nächten. Nach etwa einer Woche ist es bei den meisten Kindern überstanden.

Was den Zeitpunkt beeinflusst

Ungünstig sind Phasen mit anderen Veränderungen: Kita-Start, Geschwisterkind, Umzug, Krankheit. Der Schnuller ist in solchen Zeiten ein Stück Sicherheit, und ihn genau dann zu entziehen, erschwert beides.

Günstig ist dagegen ein Zeitpunkt mit stabilem Alltag – und einer, an dem ihr selbst Kapazität für ein paar schwierige Nächte habt.

Was nicht funktioniert: ihn abgewöhnen und bei Protest wieder geben. Das verlängert die Sache und macht den nächsten Versuch schwerer.

Was zur Hygiene zu beachten ist

In den ersten Monaten werden Schnuller täglich ausgekocht oder mit heißem Wasser gereinigt. Später reicht gründliches Abspülen – ein Kind, das ohnehin alles in den Mund nimmt, braucht keine sterile Umgebung.

Was dagegen wichtig bleibt: den Schnuller nicht selbst in den Mund nehmen, um ihn zu säubern. Dabei werden Kariesbakterien übertragen, und die kommen sonst nicht von allein zum Kind.

Ebenso ungeeignet sind Schnullerketten mit langen Bändern im Bett – Strangulationsgefahr. Für unterwegs sind kurze Bänder mit Sicherheitsverschluss die bessere Wahl.

Wann ein Gespräch sinnvoll ist

Ansprechen solltest du es bei der zahnärztlichen Früherkennung, wenn der Schnuller über den zweiten Geburtstag hinaus genutzt wird – dort lässt sich beurteilen, ob sich bereits etwas verändert hat.

Ebenso, wenn ein Kind ihn tagsüber dauerhaft braucht und ohne ihn kaum zu beruhigen ist, oder wenn die Sprachentwicklung auffällig verzögert wirkt.

Zusammengefasst: Im ersten Jahr spricht wenig gegen den Schnuller und einiges dafür. Ab dem ersten Geburtstag lohnt es, ihn auf Schlafen und Trösten zu begrenzen, ab dem zweiten den Übergang anzugehen. Wer diesen Rhythmus einhält, hat die Vorteile ohne die Nachteile – und ein deutlich leichteres Abgewöhnen.

Was zum sicheren Schlaf sonst gehört, steht unter Sicherer Schlaf. Was bei Zähnen und Pflege zählt, steht unter Zahnen und Zahnpflege.

Häufige Fragen

Ist ein Schnuller sinnvoll?

Er befriedigt das Saugbedürfnis, das bei Säuglingen ausgeprägt ist, und beruhigt zuverlässig. Beim Einschlafen wird er zusätzlich als schützend für sicheren Säuglingsschlaf beschrieben.

Ab wann sollte ich ihn einführen?

Bei gestillten Kindern wird empfohlen, zu warten, bis das Stillen gut etabliert ist – meist einige Wochen. Bei Flaschenkindern spricht nichts gegen einen früheren Beginn.

Schadet er den Zähnen?

In den ersten beiden Lebensjahren in aller Regel nicht. Danach steigt das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen deutlich, weshalb spätestens dann der Übergang angegangen werden sollte.

Wie gewöhne ich ihn ab?

Schrittweise: erst die Situationen begrenzen, in denen er verfügbar ist, dann die Zeiten. Für den letzten Schritt funktionieren Rituale gut – ein Tausch gegen etwas anderes, eine Abschiedsgeschichte. Nachts fällt es meist am schwersten.

Was ist mit dem Daumen?

Er lässt sich schlechter begrenzen und ist bei längerem Gebrauch für Zähne und Kiefer ungünstiger, weil er stärker drückt. Ein Schnuller hat den Vorteil, dass er sich abgewöhnen lässt.

Quellen

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Schlafen und Schlafumgebung
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: U3 – dritte Vorsorgeuntersuchung
  3. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen im 1. Lebensjahr
  4. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Entwicklung im ersten Lebensjahr

Zuletzt geprüft am 22.08.2026

Ariane Nagel
Redaktion Entwicklung und Ernährung

Ariane Nagel

Schreibt bei 1000tage.de über Ernährung, Schlaf und Entwicklung. Mutter von vier Kindern, die den Beikoststart auf vier verschiedene Arten erlebt haben – einmal nach Lehrbuch, dreimal überhaupt nicht. Genau daraus entsteht der Blickwinkel dieser Texte: Empfehlungen werden benannt, aber auch die Spannbreite dessen, was im Alltag davon übrig bleibt. Prüft jede Aussage gegen die Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaften.