1000 Tage
Tag 941 – 970 · 23. Lebensmonat

23. Lebensmonat: Kurz vor dem zweiten Geburtstag

Geprüft am 22.08.2026 Ariane Nagel Von Ariane Nagel 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 23.08.2026
23. Lebensmonat – Eine ruhige, alltägliche Situation in einer hellen Wohnung, die zum Thema „23.
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

Im 23. Lebensmonat liegt der Wortschatz bei vielen Kindern über fünfzig Wörtern, Zwei-Wort-Sätze werden häufiger. Die Selbstständigkeit wächst, gleichzeitig bleiben Wutanfälle häufig. Die U7 muss bis zum 24. Lebensmonat stattgefunden haben.

Der 23. Lebensmonat ist der letzte vor dem zweiten Geburtstag – und damit vor dem letzten Drittel der ersten 1000 Tage. Was jetzt sichtbar wird, ist vor allem eines: wie viel dein Kind bereits selbst kann. Tag 941 bis 970.

Was sich im 23. Lebensmonat zeigt

Sprachlich liegt der Wortschatz bei vielen über fünfzig Wörtern, Zwei-Wort-Sätze werden häufiger und länger. Manche Kinder bilden bereits Drei-Wort-Kombinationen.

Motorisch rennt dein Kind, klettert, meistert Treppen mit Festhalten und tritt einen Ball. Erste Hüpfversuche kommen dazu, wobei beide Füße den Boden meist noch nicht gleichzeitig verlassen.

Die Hände werden präziser: einfache Puzzles, Stifte mit Faustgriff, Deckel drehen, Reißverschlüsse ziehen. Vieles davon klappt noch nicht ganz und wird trotzdem versucht.

Entwicklung im 23. Lebensmonat
Bereich Was jetzt typisch ist
Sprache Über fünfzig Wörter, häufigere Kombinationen
Bewegung Rennen, Klettern, Ball treten, erste Hüpfversuche
Hände Puzzles, Stifte, Drehen und Ziehen
Selbstständigkeit Trinken, Essen, Mithelfen beim Anziehen
Gefühle Heftig und wechselhaft, wenig steuerbar

Was Selbstständigkeit jetzt bedeutet

Dein Kind kann inzwischen vieles selbst: aus dem Becher trinken, mit dem Löffel essen, beim Anziehen mithelfen, Dinge an ihren Platz bringen, einfache Aufträge ausführen.

Diese Fähigkeiten entstehen dort, wo man sie zulässt. Ein Kind, dem alles abgenommen wird, übt nicht – und der häufigste Grund dafür ist Zeitdruck, nicht Absicht.

Was hilft, sind Gelegenheiten in erreichbarer Höhe: ein Hocker am Waschbecken, Kleidung im unteren Fach, ein Becher, den das Kind selbst holen kann. Und fünf Minuten mehr im Ablauf.

Die U7 muss bis zum 24. Lebensmonat stattgefunden haben. Das Zeitfenster reicht vom 21. bis zum 24. Lebensmonat und ist verbindlich – wer es verstreichen lässt, verliert den Anspruch auf die Kassenleistung. Wer noch keinen Termin hat, sollte jetzt anrufen: In vielen Praxen sind Vorsorgetermine Wochen im Voraus vergeben, und der Puffer wird schnell knapp.

Warum die Gefühle größer sind als die Steuerung

Wutanfälle bleiben häufig und erreichen ihren Höhepunkt meist erst im dritten Lebensjahr. Der Grund bleibt derselbe: Der Wille ist da, die Fähigkeit zur Selbstregulation noch nicht.

Diese Fähigkeit reift über Jahre und ist bis weit ins Grundschulalter unvollständig. Ein Kind entscheidet sich nicht für einen Wutanfall – es wird davon überrollt.

Was hilft, ist in der Nähe bleiben, ruhig bleiben, benennen was los ist und nicht diskutieren. Nach dem Abklingen braucht ein Kind Trost, keine Aufarbeitung.

Was Wörter für Gefühle bewirken

Ein Kind, das benennen kann, was in ihm vorgeht, muss es nicht mehr ausschließlich zeigen. Deshalb lohnt es, Gefühle im Alltag anzusprechen – nicht nur im Ausnahmezustand.

„Du bist wütend, weil der Turm umgefallen ist“ ist dabei mehr als Trost: Es gibt einem Zustand einen Namen, den ein Kind noch nicht einordnen kann. Genau das ist die Vorstufe der Selbstregulation.

Ebenso hilfreich ist, eigene Gefühle zu benennen. Kinder lernen an dem, was sie sehen – und ein Erwachsener, der sagt, dass er gerade genervt ist, zeigt mehr als jede Erklärung.

Was beim Essen jetzt zählt

Wählerisches Essen bleibt normal, und der Appetit schwankt über Tage erheblich. Beurteilt wird die Woche, nicht der einzelne Teller.

Neu ist bei vielen der Wunsch, beim Zubereiten mitzuhelfen: rühren, Zutaten hineingeben, Gemüse waschen. Kinder, die beteiligt sind, probieren erfahrungsgemäß eher – und es beschäftigt sie sinnvoller als jede Ablenkung.

Ungeeignet bleiben harte, runde und glitschige Stücke: ganze Weintrauben, rohe Möhrenstücke, Nüsse. Weintrauben und Kirschtomaten sollten längs geviertelt werden.

Was beim Schlaf jetzt gilt

Elf bis vierzehn Stunden bleiben üblich, meist mit einem Mittagsschlaf von ein bis zwei Stunden. Wenn das Einschlafen abends lange dauert, lohnt der Blick auf dessen Ende – ein bis zwei Stunden Abstand sind sinnvoll.

Manche Kinder klettern jetzt aus dem Bett. Das ist der Zeitpunkt für ein niedriges Bett, weil das Überklettern des Gitters gefährlicher ist als der Ausstieg aus geringer Höhe.

Nächtliches Aufwachen kommt weiterhin vor, oft im Zusammenhang mit Träumen. Verlässliche Abläufe wirken dabei besser als Erklärungen.

Was im Spiel jetzt passiert

Das Rollenspiel wird komplexer, und die Handlungsketten werden länger: Die Puppe wird gefüttert, gewickelt, ins Bett gebracht und wieder geweckt. Damit übt dein Kind Abläufe, die es beobachtet hat.

Andere Kinder werden zunehmend interessant, gespielt wird aber weiterhin überwiegend nebeneinander. Erstes gemeinsames Spiel entsteht meist im dritten Lebensjahr.

Beliebt bleiben Dinge zum Sortieren, Stapeln und Transportieren. Was zuverlässig funktioniert, ist Wiederholung – für Erwachsene eintönig, für Kinder der Kern des Lernens.

Was noch nicht dran ist

Sauberkeit steht meist noch nicht an. Die körperliche Reife entsteht bei den meisten frühestens im dritten Lebensjahr, und ein früher Start beschleunigt nichts.

Was jetzt passt, ist Vertrautmachen ohne Zwang: Töpfchen aufstellen, erklären wozu, ausprobieren lassen. Sitzen bleiben muss niemand.

Ebenfalls noch nicht dran ist Teilen. Ein Kind, das etwas hergibt, weil es soll, hat nicht geteilt, sondern nachgegeben – die Fähigkeit dazu entsteht im dritten und vierten Lebensjahr.

Was der zweite Geburtstag bedeutet

Rechnerisch endet damit das zweite Drittel der ersten 1000 Tage. Was danach kommt, ist keine neue Phase, sondern eine Fortsetzung – aber mit einem Kind, das inzwischen läuft, spricht und einen eigenen Willen hat.

Was in dieser Zeit gelegt wurde, wirkt weit darüber hinaus: Ernährungsgewohnheiten, Schlafmuster, Bindung und die Erfahrung, dass Gefühle heftig sein dürfen und jemand dabeibleibt.

Vieles davon entsteht nebenbei und ohne Absicht. Das ist die eigentliche Entlastung dieser Zeit – es braucht kein Programm, sondern Alltag mit jemandem, der zuverlässig da ist.

Wann ein Gespräch sinnvoll ist

Ansprechen solltest du es, wenn dein Kind deutlich unter etwa fünfzig Wörtern bleibt und keine Kombinationen bildet, wenn es nicht auf Aufforderungen reagiert, keinen Blickkontakt sucht oder nicht auf Dinge zeigt. Der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten gehört immer abgeklärt.

Die U7 ist der passende Rahmen dafür, und sie steht ohnehin an. Eine Abklärung von Hören und Sprachverständnis klärt bei sprachlichen Fragen das Wichtigste – und wenn Förderung nötig ist, wirkt sie umso besser, je früher sie beginnt.

Zusammengefasst: Im 23. Lebensmonat ist der Wortschatz gewachsen und die Selbstständigkeit sichtbar – beides entsteht dort, wo man Gelegenheit lässt. Was noch nicht funktioniert, ist die Steuerung der Gefühle, und das bleibt noch eine Weile so. Und die U7 muss bis zum zweiten Geburtstag stattgefunden haben.

Wie es davor aussah, steht im 22. Lebensmonat, wie es weitergeht im 24. Lebensmonat. Was bei Wutanfällen hilft, steht unter Trotzphase.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter sind jetzt üblich?

Bei vielen über fünfzig, dazu Zwei-Wort-Sätze. Die Spanne bleibt groß. Wer deutlich darunter liegt und keine Kombinationen bildet, sollte das bei der U7 ansprechen.

Was kann mein Kind jetzt selbst?

Aus dem Becher trinken, mit dem Löffel essen, beim Anziehen mithelfen, einfache Aufträge ausführen und Dinge an ihren Platz bringen. Diese Fähigkeiten entstehen dort, wo man sie zulässt.

Warum sind die Wutanfälle noch so heftig?

Weil die Selbstregulation erst über Jahre entsteht. Der Höhepunkt liegt meist im dritten Lebensjahr. Ein Kind wählt einen Wutanfall nicht – es wird davon überrollt.

Muss die U7 bis zum zweiten Geburtstag stattfinden?

Ja. Das Zeitfenster reicht vom 21. bis zum 24. Lebensmonat und ist verbindlich – wer es verpasst, verliert den Anspruch auf die Kassenleistung.

Wann wird mein Kind trocken?

Meist im dritten Lebensjahr, viele erst gegen Ende. Vorher fehlt die körperliche Reife. Ein früher Start beschleunigt nichts, sondern verlängert den Prozess.

Quellen

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Entwicklung im Kleinkindalter
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: U7 – siebte Vorsorgeuntersuchung
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss: Kinder-Richtlinie
  4. Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen für Kinder von 1 bis 3 Jahren

Zuletzt geprüft am 22.08.2026

Ariane Nagel
Redaktion Entwicklung und Ernährung

Ariane Nagel

Schreibt bei 1000tage.de über Ernährung, Schlaf und Entwicklung. Mutter von vier Kindern, die den Beikoststart auf vier verschiedene Arten erlebt haben – einmal nach Lehrbuch, dreimal überhaupt nicht. Genau daraus entsteht der Blickwinkel dieser Texte: Empfehlungen werden benannt, aber auch die Spannbreite dessen, was im Alltag davon übrig bleibt. Prüft jede Aussage gegen die Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaften.