Kurz beantwortet
In SSW 23 wiegt das Kind etwa 550 Gramm und misst rund 29 Zentimeter. Die Lunge bildet erste Lungenbläschen aus. Ab SSW 24 gilt ein Kind als lebensfähig, weil intensivmedizinische Behandlung dann greifen kann – die Aussichten verbessern sich mit jeder weiteren Woche erheblich.
SSW 23 liegt direkt vor einer Grenze, die medizinisch mehr bedeutet als die meisten anderen: Ab SSW 24 gilt ein Kind als lebensfähig. Tag 148 bis 154 der ersten 1000 Tage.
Was in SSW 23 passiert
Das Kind misst etwa 29 Zentimeter von Kopf bis Fuß und wiegt rund 550 Gramm. Die Haut ist noch rot und faltig, weil das Unterhautfettgewebe erst im letzten Drittel entsteht.
In der Lunge bilden sich die ersten Lungenbläschen aus, und es entsteht Surfactant – der Stoff, der verhindert, dass sie beim Ausatmen zusammenfallen. Ohne ihn wäre Atmen außerhalb der Gebärmutter nicht möglich.
Auch die Sinne arbeiten zunehmend: Das Gehör entwickelt sich weiter, das Kind nimmt Geschmacksstoffe aus dem Fruchtwasser wahr und reagiert auf Berührungen von außen.
| Bereich | Stand |
|---|---|
| Größe | etwa 29 cm von Kopf bis Fuß |
| Gewicht | rund 550 Gramm |
| Lunge | erste Lungenbläschen, Surfactant entsteht |
| Rhythmus | Schlaf- und Wachphasen zeichnen sich ab |
| Tage der 1000 | Tag 148 bis 154 |
Was die Grenze bei SSW 24 bedeutet
Ab dieser Woche gilt ein Kind als lebensfähig, weil intensivmedizinische Behandlung greifen kann. Der Grund liegt in der Lunge: Erst mit den Lungenbläschen und ausreichend Surfactant ist Atmen überhaupt denkbar.
Die Aussichten verbessern sich dabei mit jeder weiteren Woche erheblich. Das ist der Grund, warum bei vorzeitigen Wehen versucht wird, die Geburt hinauszuzögern – und warum eine Behandlung zur Lungenreifung eingesetzt wird, die innerhalb von etwa zwei Tagen wirkt.
Für die allermeisten Schwangerschaften bleibt das eine Randnotiz. Es erklärt aber, warum ab dieser Phase genauer auf Wehen geschaut wird – und warum Zurückhaltung beim Abklären unangebracht ist.
Jetzt lohnt sich der Beckenboden. Er trägt zunehmend Gewicht und wird durch Schwangerschaftshormone nachgiebiger. Wer in dieser Phase beginnt, ihn bewusst wahrzunehmen und zu kräftigen, hat nach der Geburt einen deutlichen Vorsprung – die Rückbildung fällt leichter, wenn die Ansteuerung schon bekannt ist. Übungen zeigt die Hebamme, und sie brauchen wenige Minuten am Tag.
Was mit den Bewegungen passiert
Sie werden kräftiger und häufiger spürbar. Gleichzeitig bleiben sie unregelmäßig – Phasen ohne Bewegung über Stunden sind in dieser Woche normal.
Auffällig ist bei vielen, dass die Bewegungen abends stärker wirken. Das liegt weniger am Kind als an der eigenen Aufmerksamkeit: In Ruhe fällt mehr auf als in Bewegung.
Ein verlässliches Muster entsteht erst ab etwa SSW 24. Ab dann wird die Abweichung davon zum Zeichen, das beobachtet werden sollte – vorher lohnt es sich nicht, darauf zu achten, und das Zählen führt eher zu Verunsicherung.
Wie es dir geht
Die Gebärmutter reicht inzwischen über den Nabel. Typisch für diese Wochen sind Rückenschmerzen, weil sich der Schwerpunkt verlagert und die Bänder durch Schwangerschaftshormone nachgiebiger werden.
Dazu kommen Sodbrennen, Wadenkrämpfe und Wassereinlagerungen in Beinen und Händen, besonders abends. Auch Kurzatmigkeit beim Treppensteigen tritt auf.
Beim Schlafen wird die Seitenlage zunehmend empfohlen. Ein Kissen zwischen den Knien und eines im Rücken machen sie deutlich bequemer.
Was bei der Ernährung zählt
Der Energiebedarf steigt im zweiten Drittel nur um etwa 250 Kilokalorien am Tag. Deutlich stärker steigt der Bedarf an Eisen, weil das Blutvolumen zunimmt und das Kind eigene Reserven aufbaut.
Eisen steckt in Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Vitamin C verbessert die Aufnahme, Kaffee und schwarzer Tee hemmen sie.
Wer den Zuckertest vor sich hat, sollte die Ernährung davor nicht umstellen – das verfälscht das Ergebnis und nimmt der Untersuchung ihren Zweck.
Was als Nächstes ansteht
Zwischen SSW 24 und 28 folgt der Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Er läuft zweistufig: zuerst ein Vortest mit 50 Gramm Zuckerlösung ohne Nüchternheit, bei auffälligem Wert ein ausführlicherer Test im nüchternen Zustand.
Ein auffälliger Vortest ist keine Diagnose – er ist bewusst so eingestellt, dass er eher zu viele weiterschickt. Bestätigt sich ein Befund, reicht bei den meisten eine Anpassung der Ernährung zusammen mit Bewegung.
Bis SSW 32 liegen die Vorsorgetermine weiter im Abstand von etwa vier Wochen, danach alle zwei.
Was am Arbeitsplatz gilt
Spätestens jetzt sollte der Arbeitgeber informiert sein. Erst danach greifen die Schutzvorschriften, die Gefährdungsbeurteilung und der Kündigungsschutz.
Nicht zulässig sind unter anderem Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr, Akkord- und Fließbandarbeit, schweres Heben und der Umgang mit bestimmten Gefahrstoffen. Für Vorsorgetermine besteht Anspruch auf Freistellung ohne Lohnabzug.
Aus der Gefährdungsbeurteilung kann ein betriebliches Beschäftigungsverbot folgen. Das ist keine Krankschreibung: Der Lohn läuft weiter, und es wirkt sich nicht auf die Berechnung des Elterngelds aus.
Was jetzt zu planen ist
Der Geburtsvorbereitungskurs liegt meist um SSW 30 und ist früh ausgebucht – jetzt buchen lohnt sich. Ebenso die Hebammensuche für die Wochenbettbetreuung, falls noch offen.
Ebenfalls sinnvoll: Klinik oder Geburtshaus anschauen, solange der Bauch nicht beschwerlich ist. Viele bieten Informationsabende an.
Bei nicht verheirateten Eltern lassen sich Vaterschaftsanerkennung und Sorgeerklärung kostenfrei beim Jugendamt erledigen. Welche Fristen gelten, rechnet der Fristenrechner aus.
Was in dieser Phase häufig beschäftigt
Die Sorge vor einer frühen Geburt. Sie nimmt in diesen Wochen ab, weil die Aussichten mit jeder Woche besser werden. Was hilft, ist die Unterscheidung zwischen Übungswehen und echten: Erstere sind unregelmäßig und lassen bei Ruhe nach.
Die Gewichtszunahme. Im zweiten Drittel gelten etwa 300 bis 500 Gramm pro Woche als Orientierung, abhängig vom Ausgangsgewicht. Beurteilt wird der Verlauf, nicht der Wert einer einzelnen Woche.
Der Schlaf. Er wird unruhiger, weil keine Position mehr bequem ist. Ein Stillkissen oder mehrere normale Kissen helfen mehr als jede Empfehlung zur Schlafhygiene.
Wann du nicht abwarten solltest
In die Klinik gehören regelmäßige Kontraktionen, Blutungen, Flüssigkeitsabgang, Fieber sowie starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen im Gesicht.
Bei Wehen vor SSW 37 gilt: lieber einmal zu viel abklären. Mehr als vier bis sechs Kontraktionen pro Stunde gehören angesehen, und in der Klinik ist man auf genau diese Frage eingestellt.
Und ein Gedanke zu dieser Schwelle: Die Grenze bei SSW 24 ist eine medizinische Definition, keine Garantie und keine Zäsur im Erleben. Für die allermeisten Schwangerschaften ändert sich mit ihr nichts – sie beschreibt nur, ab wann eine Behandlung möglich wäre, die hoffentlich nie gebraucht wird.
Zusammengefasst: SSW 23 liegt direkt vor der Grenze, ab der ein Kind als lebensfähig gilt – der Grund dafür liegt in der Lunge, die gerade beginnt, Surfactant zu bilden. Konkret ansteht der Zuckertest ab SSW 24, und beim Beckenboden lohnt der Einstieg jetzt. Ein Bewegungsmuster, dessen Abweichung aussagekräftig wird, entsteht ebenfalls erst ab der kommenden Woche.
Wie es weitergeht, steht in SSW 24 und SSW 30. Was zum Zuckertest zu wissen ist, steht unter Schwangerschaftsdiabetes.
Häufige Fragen
Wie groß ist das Kind in SSW 23?
Etwa 29 Zentimeter von Kopf bis Fuß und rund 550 Gramm schwer. Bis zur Geburt vervielfacht sich dieses Gewicht noch, überwiegend durch Fettgewebe im letzten Drittel.
Was bedeutet die Grenze bei SSW 24?
Ab dann gilt ein Kind als lebensfähig, weil intensivmedizinische Behandlung greifen kann. Die Aussichten verbessern sich mit jeder weiteren Woche erheblich – deshalb wird bei vorzeitigen Wehen versucht, die Geburt hinauszuzögern.
Wie oft sollte ich Bewegungen spüren?
Ein verlässliches Muster entsteht erst ab etwa SSW 24. Bis dahin sind Phasen ohne spürbare Bewegung über Stunden normal – danach zählt die Abweichung vom Gewohnten.
Was steht als Nächstes an?
Der Test auf Schwangerschaftsdiabetes zwischen SSW 24 und 28. Bis SSW 32 liegen die Vorsorgetermine weiter im Abstand von etwa vier Wochen.
Warum ist der Beckenboden jetzt ein Thema?
Weil er zunehmend Gewicht trägt und durch Schwangerschaftshormone nachgiebiger wird. Wer jetzt beginnt, ihn wahrzunehmen und zu kräftigen, hat es nach der Geburt leichter.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen zu Ernährung und Lebensstil in der Schwangerschaft
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
- Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen
Zuletzt geprüft am 23.08.2026
Maik Möhring
Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.