Kurz beantwortet
Von Fieber spricht man ab 38 Grad Celsius, gemessen im Po. Im ersten Lebensmonat gehört jedes Fieber umgehend ärztlich abgeklärt. Danach zählt weniger der Messwert als das Verhalten: Ein Kind, das trinkt, sich wecken lässt und zeitweise wach zufrieden wirkt, ist anders zu bewerten als ein schlaffes.
Fieber gehört zu den häufigsten Gründen, warum Eltern nachts unsicher werden. Die gute Nachricht: Der Messwert allein sagt weniger aus, als viele denken – entscheidend ist, wie ein Kind wirkt. Die wichtige Einschränkung: Im ersten Lebensmonat gilt das nicht.
Ab wann von Fieber gesprochen wird
| Temperatur | Bezeichnung |
|---|---|
| bis 37,4 °C | normal |
| 37,5 bis 37,9 °C | erhöhte Temperatur |
| ab 38,0 °C | Fieber |
| ab 39,0 °C | hohes Fieber |
Diese Werte beziehen sich auf die Messung im Po. Zu bedenken ist außerdem, dass die Körpertemperatur über den Tag schwankt: Abends liegt sie meist höher als morgens, nach Bewegung oder Schreien ebenfalls.
Auch dickes Anziehen oder ein warmer Raum treiben den Wert nach oben. Wer unsicher ist, misst nach zwanzig Minuten in leichter Kleidung noch einmal nach.
Wie richtig gemessen wird
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Messung im Po die genaueste Methode. Ein digitales Thermometer mit weicher Spitze, etwas Creme, das Kind auf dem Rücken mit angehobenen Beinen – nach wenigen Sekunden ist der Wert da.
Messungen im Ohr sind bei kleinen Kindern ungenau, weil der Gehörgang eng ist und schon eine leichte Fehlstellung das Ergebnis verfälscht. Stirnthermometer sind bequem, aber ebenfalls störanfällig – für einen groben Eindruck reichen sie, für eine Entscheidung nicht.
Unter der Achsel wird meist zu niedrig gemessen. Wenn dort ein Wert nahe 38 Grad erscheint, ist die tatsächliche Temperatur oft höher.
Warum der Messwert nicht alles ist
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Abwehrreaktion: Der Körper erhöht die Temperatur, weil viele Erreger sich dann schlechter vermehren.
Deshalb sagt die Höhe wenig über den Schweregrad. Ein Kind mit 39,5 Grad, das trinkt, sich wecken lässt und zwischendurch spielt, ist in aller Regel weniger besorgniserregend als eines mit 38,2 Grad, das schlaff wirkt und nicht trinkt.
Für die Einschätzung zählen deshalb drei Dinge: Trinkt es? Lässt es sich wecken und reagiert es? Wirkt es in fieberfreien Momenten zugänglich?
Im ersten Lebensmonat gilt eine Ausnahme ohne Wenn und Aber. Jedes Fieber ab 38 Grad gehört umgehend ärztlich abgeklärt – unabhängig davon, wie das Kind wirkt. Neugeborene können Infektionen schlechter begrenzen, und Verläufe entwickeln sich schneller als in jedem späteren Alter. In dieser Zeit ist Abwarten keine Option.
Welche Zeichen sofort in die Praxis gehören
Unabhängig vom Alter sind das:
Ein schlaffes oder kaum weckbares Kind, das auf Ansprache nicht reagiert.
Atemnot – sehr schnelle Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen, Nasenflügeln, Blaufärbung an Lippen oder Gesicht.
Trinkverweigerung oder deutlich weniger nasse Windeln.
Ein Krampfanfall, auch wenn er von selbst endet.
Ein Hautausschlag, der sich beim Draufdrücken mit einem Glas nicht wegdrücken lässt.
Anhaltendes schrilles Schreien oder ein Kind, das sich durch nichts beruhigen lässt.
Nackensteifigkeit oder auffällige Lichtempfindlichkeit.
Wann ein Termin am selben Tag sinnvoll ist
Ohne die genannten Warnzeichen, aber zeitnah: bei Fieber im zweiten und dritten Lebensmonat, bei Fieber über drei Tage, bei erneutem Fieber nach fieberfreien Tagen, bei starken Schmerzen und bei Kindern mit Vorerkrankungen.
Ein Anruf klärt in aller Regel, ob ein Termin nötig ist. Die Praxis ist genau dafür da, und niemand bewertet eine solche Nachfrage als übertrieben.
Was zu Hause hilft
Trinken. Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf deutlich. Bei gestillten Kindern heißt das: häufiger anlegen. Bei größeren: regelmäßig kleine Mengen anbieten.
Leichte Kleidung. Ein fieberndes Kind gehört nicht warm eingepackt – die Wärme muss abgegeben werden können.
Ruhe. Kein Programm, kein Besuch, gedämpftes Licht.
Beobachten. Das ist der wichtigste Punkt. Wie oft nasse Windeln, wie viel getrunken, wie wach – diese Angaben helfen bei einem Anruf mehr als jede Temperaturkurve.
Was nicht geeignet ist: kalte Wadenwickel bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie können den Kreislauf belasten, wenn die Beine kühl sind, und sie sind für dieses Alter nicht empfohlen.
Zur Frage der Fiebersenkung
Ob Fieber gesenkt werden sollte, richtet sich nicht nach dem Messwert, sondern nach dem Befinden. Ein Kind, das trotz 39 Grad trinkt und schläft, braucht nicht zwingend etwas.
Welche Mittel für welches Alter und Gewicht geeignet sind, entscheidet die kinderärztliche Praxis. Hier steht bewusst kein Präparat und keine Menge – bei Säuglingen hängt die Dosierung am Gewicht, und eine allgemeine Angabe wäre an dieser Stelle unverantwortlich.
Was du dir merken kannst: Was für ein älteres Geschwisterkind gilt, gilt nicht automatisch für ein Baby.
Wie lange Fieber üblicherweise dauert
Bei einem gewöhnlichen Infekt steigt die Temperatur meist über ein bis zwei Tage an und fällt nach drei bis vier Tagen wieder ab. Ein Verlauf über mehr als drei Tage gehört angesehen, ebenso ein erneuter Anstieg nach fieberfreien Tagen.
Nicht selten kommt Fieber in Wellen: Morgens ist die Temperatur niedrig, abends steigt sie wieder. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas nicht wirkt.
Was dagegen aufhorchen lässt, ist ein Kind, dem es nach dem Fieberabfall nicht besser geht. Wenn die Temperatur sinkt, das Kind aber matt bleibt, wenig trinkt oder sich anders verhält als sonst, ist ein Termin sinnvoll.
Wenn es zu einem Fieberkrampf kommt
Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus und endet meist nach wenigen Minuten von selbst. Das Kind verkrampft, zuckt, reagiert nicht.
Was zu tun ist: Ruhe bewahren, das Kind auf eine weiche Unterlage legen, die Umgebung sichern, nichts in den Mund schieben, nichts festhalten. Auf die Uhr schauen, um die Dauer angeben zu können.
Beim ersten Mal gehört jeder Fieberkrampf ärztlich abgeklärt. Dauert er länger als einige Minuten oder wiederholt er sich, wird die 112 gewählt.
Warum Kinder in dieser Zeit oft fiebern
Im ersten Halbjahr schützt noch ein Teil der über die Plazenta erhaltenen Antikörper. Wenn dieser Schutz nachlässt und gleichzeitig der Kontakt zu anderen Kindern zunimmt, häufen sich Infekte.
Acht bis zwölf Infekte im Jahr sind in der Betreuungsphase üblich und kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem – es lernt gerade. Die Häufung lässt nach dem ersten Betreuungsjahr deutlich nach.
Und eine Anmerkung zum Umgang mit der Unsicherheit: Nachts wirkt vieles bedrohlicher als am Tag. Wer sich nicht sicher ist, hat mit der 116117 eine Anlaufstelle für genau diese Situation – der ärztliche Bereitschaftsdienst ist außerhalb der Sprechzeiten erreichbar und schätzt am Telefon ein, ob und wie schnell etwas nötig ist. Diese Nummer sollte griffbereit sein, bevor man sie braucht.
Weitere Warnzeichen im Überblick stehen unter Erste Hilfe, und was bei den Vorsorgeterminen geprüft wird, unter U-Untersuchungen.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von Fieber?
Ab 38 Grad Celsius, gemessen im Po. Zwischen 37,5 und 38 Grad spricht man von erhöhter Temperatur. Werte schwanken über den Tag und liegen abends meist höher als morgens.
Wie messe ich richtig?
Im Po mit einem digitalen Thermometer – das ist bei Säuglingen die genaueste Methode. Messungen im Ohr oder an der Stirn sind bequemer, aber ungenauer, besonders bei kleinen Kindern.
Wann muss ich sofort zum Arzt?
Bei jedem Fieber im ersten Lebensmonat. Außerdem bei einem schlaffen oder kaum weckbaren Kind, Atemnot, Trinkverweigerung, Krampfanfall, Hautausschlag der sich nicht wegdrücken lässt oder anhaltend schrillem Schreien.
Muss Fieber immer gesenkt werden?
Nein. Fieber ist eine Abwehrreaktion des Körpers. Ob und womit gesenkt wird, richtet sich nach dem Befinden des Kindes und gehört in die Praxis – hier stehen bewusst keine Präparate und keine Mengen.
Was hilft bei fieberndem Kind?
Viel trinken lassen, leichte Kleidung, kühle Raumtemperatur, Ruhe. Kalte Wadenwickel sind bei Säuglingen nicht geeignet. Wichtiger als jede Maßnahme ist, das Kind im Blick zu behalten.
Quellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Risiken vorbeugen
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Vorsorge im Säuglings- und Kleinkindalter
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Früherkennung und Vorsorge
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen im 1. Lebensjahr
Zuletzt geprüft am 22.08.2026
Ariane Nagel
Schreibt bei 1000tage.de über Ernährung, Schlaf und Entwicklung. Mutter von vier Kindern, die den Beikoststart auf vier verschiedene Arten erlebt haben – einmal nach Lehrbuch, dreimal überhaupt nicht. Genau daraus entsteht der Blickwinkel dieser Texte: Empfehlungen werden benannt, aber auch die Spannbreite dessen, was im Alltag davon übrig bleibt. Prüft jede Aussage gegen die Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaften.