Zweites Lebensjahr
Tag 636 bis 1000: Laufen, Sprechen, Widersprechen – und Essen wie der Rest der Familie. Das letzte Drittel des Prägungsfensters.
Kurz beantwortet
Das zweite Lebensjahr umfasst die Tage 636 bis 1000. In dieser Phase entstehen freies Laufen, die ersten Sätze und das Ich-Bewusstsein. Am Tag 1000, dem zweiten Geburtstag, endet das Zeitfenster, in dem Ernährung und Umwelt am stärksten prägen.
Weniger Sprünge, mehr Festigung
Das zweite Lebensjahr bringt keine Veränderung mehr, die mit dem ersten vergleichbar wäre. Dafür festigt sich, was angelegt wurde: Aus Schritten wird sicheres Gehen, aus Wörtern werden Sätze, aus Probieren wird Geschmack. Genau diese Festigung macht die Phase so wichtig – Vorlieben, die jetzt entstehen, halten oft jahrzehntelang.
Gleichzeitig entsteht etwas Neues: ein eigener Wille, der sich gegen den der Erwachsenen stellen kann. Was landläufig Trotzphase heisst, ist entwicklungspsychologisch der Beginn der Selbstwahrnehmung. Das Kind will etwas, kann es aber weder durchsetzen noch seine Enttäuschung regulieren.
Was in diesem Jahr passiert
Bewegung. Freies Laufen gelingt zwischen dem elften und achtzehnten Lebensmonat, danach kommen Treppensteigen, Klettern und erste Sprünge. Der Bewegungsdrang ist gross und braucht Raum.
Sprache. Aus einzelnen Wörtern werden Zwei-Wort-Sätze, meist zwischen dem achtzehnten und vierundzwanzigsten Monat. Der Wortschatz beim Verstehen bleibt dabei immer deutlich grösser als der beim Sprechen.
Essen. Ab dem ersten Geburtstag ist Familienkost vorgesehen. Typisch für dieses Jahr ist, dass der Appetit stark schwankt und Kinder plötzlich Dinge ablehnen, die sie vorher mochten. Das ist eine normale Phase und kein Erziehungsproblem.
Was am Ende zählt
Mit dem zweiten Geburtstag schliesst sich das Fenster der ersten 1000 Tage. Was bis dahin gelegt wurde – Geschmacksvorlieben, Schlafmuster, Bindung, die Grundlagen der Sprache – wirkt weit darüber hinaus. Deshalb geht es in diesem Jahr weniger um Förderung als um Verlässlichkeit: gleichbleibende Abläufe, ruhige Reaktionen und genug Gelegenheit, Dinge selbst zu tun.
Alle Beiträge zu Zweites Lebensjahr
23. Lebensmonat: Kurz vor dem zweiten Geburtstag
Tag 941 bis 970 der ersten 1000 Tage: Der Wortschatz wächst, die Selbstständigkeit auch – und die Gefühle bleiben größer als die Möglichkeit, sie…
22. Lebensmonat: Aus Wörtern werden Sätze
Tag 910 bis 940 der ersten 1000 Tage: Aus einzelnen Wörtern werden Kombinationen, aus Nachahmen wird Rollenspiel – und Grenzen werden geprüft.
21. Lebensmonat: Die U7 steht an
Tag 880 bis 909 der ersten 1000 Tage: Das Zeitfenster für die U7 öffnet sich – und aus einzelnen Wörtern werden erste Kombinationen.
19. Lebensmonat: Wenn die Wörter kommen
Tag 819 bis 848 der ersten 1000 Tage: Bei vielen kommen jetzt täglich neue Wörter dazu – und mit dem Wollen wächst auch der…
24. Lebensmonat: Tag 1000
Tag 971 bis 1000: Das Fenster schließt sich. Was ein zweijähriges Kind kann, was die U7 prüft – und was von diesen tausend Tagen…
20. Lebensmonat: Selbst machen wollen
Tag 849 bis 879 der ersten 1000 Tage: Alles soll selbst gemacht werden – und wenn es nicht klappt, kippt die Stimmung. Was in…
18. Lebensmonat: Aus Wörtern werden Sätze
Tag 788 bis 818 der ersten 1000 Tage: Der Wortschatz macht bei vielen einen Sprung, die ersten Zwei-Wort-Sätze entstehen – und das Ich wird…
17. Lebensmonat: Vor dem Sprung in die Sprache
Tag 758 bis 787 der ersten 1000 Tage: Das Verstehen läuft dem Sprechen weit voraus, das Symbolspiel beginnt – und alles soll selbst gemacht…
15. Lebensmonat: Vom zweiten Schläfchen zum Mittagsschlaf
Tag 697 bis 727 der ersten 1000 Tage: Der Wechsel auf einen Mittagsschlaf steht an, die Sprache nimmt Fahrt auf – und Grenzen werden…
13. Lebensmonat: Aus dem Baby wird ein Kleinkind
Tag 636 bis 666 der ersten 1000 Tage: Das zweite Lebensjahr beginnt. Aus Schritten wird Gehen, aus Silben werden Wörter – und aus Wünschen…
Häufige Fragen zu Zweites Lebensjahr
Wann sprechen Kinder in Sätzen?
Zwei-Wort-Sätze entstehen meist zwischen dem achtzehnten und vierundzwanzigsten Lebensmonat. Die Spanne ist gross. Auffällig wird es, wenn ein Kind mit zwei Jahren gar keine Wörter nutzt oder Erlerntes wieder verliert.
Ist die Trotzphase erziehbar?
Nein, sie ist ein Entwicklungsschritt. Die Fähigkeit, einen Impuls zu unterdrücken, reift erst in den folgenden Jahren. Was hilft, ist ruhig bleiben, benennen was los ist und die Situation nicht ausdiskutieren.
Warum isst mein Kind plötzlich so wenig?
Weil das Wachstum sich verlangsamt und der Energiebedarf entsprechend sinkt. Dazu kommt eine Phase, in der viele Kinder Neues zunächst ablehnen. Beurteilt wird die Ernährung über Wochen, nicht am einzelnen Teller.
Welche Untersuchung steht im zweiten Lebensjahr an?
Die U7, üblicherweise zwischen dem einundzwanzigsten und vierundzwanzigsten Lebensmonat. Geprüft werden Bewegung, Sprache, Sozialverhalten und die allgemeine Entwicklung.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE): Handlungsempfehlungen für Kinder von 1 bis 3 Jahren
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: U7 – siebte Vorsorgeuntersuchung