1000 Tage
Tag 232 – 238 · SSW 36

SSW 36: Ab jetzt kann es losgehen

Geprüft am 21.08.2026 Maik Möhring Von Maik Möhring 7 Min. Lesezeit Aktualisiert 21.08.2026
SSW 36 – An einem späten Nachmittag sitzt eine hochschwangere Frau im warmen, tief stehenden
Symbolbild, mit KI erzeugt · Wie wir arbeiten

Kurz beantwortet

In SSW 36 wiegt das Kind etwa 2,7 Kilogramm und die Lungenreife ist weit fortgeschritten. Ab SSW 37 gilt eine Geburt als termingerecht. Echte Wehen werden regelmäßiger, stärker und kürzer im Abstand – Übungswehen bleiben unregelmäßig und lassen bei Positionswechsel nach.

SSW 36 ist die Woche, in der Vorbereitung konkret wird. Ab SSW 37 gilt eine Geburt als termingerecht – ab jetzt kann es also jederzeit losgehen, auch wenn die meisten Kinder sich noch Zeit lassen. Tag 232 bis 238 der ersten 1000 Tage.

Was in SSW 36 passiert

Das Kind wiegt etwa 2,7 Kilogramm und misst rund 47 Zentimeter. Die Lungenreife ist weit fortgeschritten, das Unterhautfettgewebe füllt sich weiter. Die Haut ist nicht mehr faltig, die feine Körperbehaarung verschwindet.

Der Platz wird eng. Die Bewegungen ändern deshalb ihren Charakter: weniger Strampeln, mehr Schieben, Drehen und Strecken. Weniger werden sollten sie nicht – das bleibt bis zur Geburt das wichtigste Zeichen.

Bei den meisten Kindern liegt der Kopf inzwischen unten und tritt langsam ins Becken ein. Manche Schwangere spüren das als Erleichterung beim Atmen, dafür wird der Druck nach unten stärker.

Anhaltspunkte in SSW 36
Bereich Stand
Größe etwa 47 cm
Gewicht rund 2,7 Kilogramm
Lunge Reifung weit fortgeschritten
Lage meist Schädellage, Eintritt ins Becken
Tage der 1000 Tag 232 bis 238

Echte Wehen oder Übungswehen?

Diese Unterscheidung beschäftigt in den letzten Wochen fast alle, und sie lässt sich an drei Merkmalen festmachen.

Der Unterschied auf einen Blick
Merkmal Übungswehen Echte Wehen
Rhythmus unregelmäßig regelmäßig, Abstände werden kürzer
Stärke bleibt gleich oder lässt nach nimmt zu
Bei Bewegung lassen meist nach ändern sich nicht
Schmerz meist schmerzlos ziehend, oft in den Rücken ausstrahlend

Die einfachste Probe ist ein warmes Bad oder ein Positionswechsel. Übungswehen lassen dabei nach, echte Wehen nicht.

Bei einer ersten Geburt gilt als Richtwert für die Fahrt in die Klinik: Wehen alle fünf Minuten, jeweils rund eine Minute lang, über eine Stunde hinweg. Bei weiteren Geburten früher, weil es meist schneller geht.

Bei diesen Anzeichen fährst du sofort, unabhängig von Wehen: Blasensprung, Blutungen, deutlich verminderte Kindsbewegungen, starke anhaltende Schmerzen oder Fieber. Bei einem Blasensprung merkst du dir die Uhrzeit und achtest auf die Farbe – grünliches Fruchtwasser ist ein Grund, es beim Anruf zu erwähnen.

Was in SSW 36 medizinisch geprüft wird

In diesen Wochen steht ein Test an, der wenig bekannt ist: der Abstrich auf B-Streptokokken. Diese Bakterien besiedeln bei einem Teil der Schwangeren den Geburtskanal, ohne Beschwerden zu verursachen. Für das Kind können sie bei der Geburt jedoch eine ernsthafte Infektion bedeuten.

Fällt der Abstrich positiv aus, bekommst du unter der Geburt ein Antibiotikum – damit sinkt das Risiko für das Kind deutlich. Der Test gehört nicht zum verbindlichen Leistungskatalog, wird aber von vielen Praxen angeboten und von den meisten Kassen übernommen.

Ebenfalls Thema sind jetzt CTG-Kontrollen, mit denen Herzschlag und Wehentätigkeit über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet werden. Ab dem errechneten Termin verdichten sich diese Kontrollen auf alle zwei Tage.

Was jetzt vorbereitet sein sollte

Die Kliniktasche gehört spätestens jetzt gepackt. Hinein kommen Mutterpass, Ausweis und Versichertenkarte, bequeme Kleidung, Hygieneartikel, Snacks und Ladekabel, dazu Kleidung für das Kind und eine Babyschale fürs Auto.

Weniger offensichtlich, aber genauso wichtig sind die Unterlagen für danach: Die Anmeldung der Elternzeit muss sieben Wochen vor ihrem Beginn beim Arbeitgeber sein. Wer direkt nach dem Mutterschutz in Elternzeit gehen will, muss sie etwa eine Woche nach der Geburt abschicken – vorbereitet sollte sie also vorher sein.

Ebenfalls sinnvoll: Wer holt ältere Geschwister ab, wer versorgt Haustiere, wer wird wann informiert. Diese Fragen in Ruhe zu klären ist deutlich angenehmer als um drei Uhr nachts.

Wie es dir geht

Die letzten Wochen sind körperlich die anstrengendsten. Typisch sind Kurzatmigkeit, Sodbrennen, Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen und ein Schlaf, der kaum noch erholsam ist. Viele beschreiben eine Unruhe, die sich schwer einordnen lässt – der Körper bereitet sich vor.

Auch der bekannte Drang, die Wohnung umzuräumen, gehört dazu. Er tritt bei vielen kurz vor der Geburt auf. Nutze ihn für Dinge, die im Sitzen gehen; Regale zu schleppen gehört nicht dazu.

Die Vorsorgetermine liegen jetzt alle zwei Wochen, ab dem errechneten Termin sogar alle zwei Tage. Dabei wird per CTG geprüft, wie es dem Kind geht.

Was passiert, wenn der Termin verstreicht

Nur etwa vier Prozent der Kinder kommen genau am errechneten Tag. Als termingerecht gilt eine Geburt zwischen SSW 37 und 42 – das ist eine Spanne von fünf Wochen.

Wird der Termin überschritten, folgt eine engmaschige Überwachung mit CTG und Ultraschall. Ab etwa SSW 41 wird über eine Einleitung gesprochen, spätestens gegen Ende von SSW 42 wird sie empfohlen, weil danach die Risiken steigen. Diese Gespräche laufen individuell – Zahlen aus dem Internet ersetzen sie nicht.

Wie die Geburt üblicherweise beginnt

Es gibt nicht den einen Beginn. Bei manchen kündigt sich die Geburt über Tage an, bei anderen geht es innerhalb von Stunden los. Drei Zeichen kommen am häufigsten vor.

Der Schleimpfropf löst sich. Ein zäher, manchmal blutig gefärbter Ausfluss, der den Gebärmutterhals verschlossen hat. Er kann Tage vor der Geburt abgehen, manchmal auch erst währenddessen – als alleiniges Zeichen ist er kein Anlass für die Fahrt in die Klinik.

Der Blasensprung. Fruchtwasser fließt ab, schwallartig oder als anhaltendes Rinnsal. Auch ohne Wehen gehört das in die Klinik. Uhrzeit merken, Farbe beachten, nicht mehr baden.

Regelmäßige Wehen. Der häufigste Beginn. Sie setzen oft nachts ein und werden über Stunden regelmäßiger und stärker.

Was du für das Wochenbett vorbereiten kannst

Der am häufigsten übersehene Punkt: die Zeit nach der Geburt. Eine Hebamme für die Nachsorge sollte feststehen. Hilfreich sind außerdem eingefrorene Mahlzeiten, ein aufgeräumter Vorratsschrank und die Absprache, wer wann Besuch bekommt – und wer ihn absagt.

Das Wochenbett ist eine Erholungsphase mit medizinischer Berechtigung, keine höfliche Bezeichnung für die erste Zeit zu Hause. Wer in diesen Wochen den Haushalt organisiert und Gäste bewirtet, verlängert die Erholung.

Was der Mutterschutz ab jetzt bedeutet

Der Mutterschutz hat mit Beginn der SSW 34 eingesetzt. Ab dann darfst du nicht mehr beschäftigt werden, es sei denn, du erklärst dich ausdrücklich bereit – und diese Erklärung kannst du jederzeit widerrufen, ohne Begründung.

Finanziell wird die Zeit über Mutterschaftsgeld und den Zuschuss des Arbeitgebers abgedeckt. Wichtig für die Planung: Diese Wochen zählen nicht als Elterngeldmonate im üblichen Sinn – das Mutterschaftsgeld wird auf die ersten Lebensmonate angerechnet. Wer das nicht weiß, verplant leicht zwei Monate doppelt.

Wann du nicht abwarten solltest

In die Klinik gehören Blasensprung, Blutungen, deutlich verminderte Kindsbewegungen, regelmäßige starke Wehen, Fieber sowie starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder plötzlichen Schwellungen. Im Zweifel gilt in diesen Wochen: lieber einmal zu viel anrufen.

Wie es davor aussah, steht in SSW 30. Was danach kommt, beginnt im 1. Lebensmonat. Den gesamten Verlauf zeigt die Übersicht aller 1000 Tage.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich echte Wehen?

Sie kommen regelmäßig, werden stärker und die Abstände kürzer. Ein Positionswechsel oder ein warmes Bad ändert daran nichts. Übungswehen bleiben unregelmäßig, sind meist schmerzlos und lassen bei Bewegung nach.

Wann sollte ich in die Klinik fahren?

Bei einer ersten Geburt üblicherweise, wenn Wehen etwa alle fünf Minuten kommen und rund eine Minute anhalten, über eine Stunde hinweg. Bei Blasensprung, Blutungen oder verminderten Kindsbewegungen sofort, unabhängig von Wehen.

Ab wann gilt eine Geburt als termingerecht?

Ab SSW 37. Zwischen SSW 37 und 42 spricht man von einer Geburt am Termin. Nur etwa vier Prozent der Kinder kommen genau am errechneten Tag zur Welt.

Was passiert beim Blasensprung?

Es fließt Fruchtwasser ab, entweder schwallartig oder als anhaltendes Rinnsal. In beiden Fällen gehört das in die Klinik, auch ohne Wehen – Uhrzeit merken, Farbe beachten und nicht mehr baden.

Was gehört in die Kliniktasche?

Mutterpass, Ausweis, Versichertenkarte, bequeme Kleidung, Hygieneartikel, Snacks, Ladekabel und Kleidung für das Kind. Dazu Unterlagen wie die Bescheinigung über die Elternzeit, falls sie unterschrieben werden soll.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien
  2. Mutterschutzgesetz: § 3 MuSchG – Schutzfristen
  3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschutz
  4. Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz: § 16 BEEG – Inanspruchnahme der Elternzeit

Zuletzt geprüft am 21.08.2026

Maik Möhring
Herausgeber und Redaktionsleitung

Maik Möhring

Herausgeber von 1000tage.de und Vater von vier Kindern. Hat die Fristen für Mutterschutz, Elterngeld und Kita-Anmeldung viermal selbst durchlaufen – zweimal davon zu spät. Schreibt deshalb vor allem über das, was im Amtsdeutsch untergeht: Anträge, Zeitfenster und die Frage, was passiert, wenn man eine Frist reissen lässt. Recherchiert ausschliesslich an Primärquellen und legt jede Zahl mit Stand und Herkunft offen.